{"id":1269,"date":"2009-08-05T00:00:54","date_gmt":"2009-08-04T23:00:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=1269"},"modified":"2009-08-05T17:03:59","modified_gmt":"2009-08-05T16:03:59","slug":"was-bleibt-eine-keks-phantasie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=1269","title":{"rendered":"Was bleibt: Eine Keks-Phantasie"},"content":{"rendered":"<p>Jetzt, wo ihr Nachfolger in den Startl\u00f6chern steht, bereits erste Veranstaltungen besucht und Projekte begutachtet, k\u00f6nnen wir es ja sagen: Am Ende ist sie nicht am Battis-Bericht oder an schlechter Kommunikation gescheitert, die Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz. Sondern an der Geschichte mit den Keksen.<br \/>\nAus baulicher Sicht sind diese Kekse eine ganz simple Angelegenheit: Trocken-br\u00f6seliger grundhafter Aufbau, Vollmilch-Deckschicht und \u2013 als fassad\u00e4res Highlight \u2013 eine Applikation aus wei\u00dfer Schokolade in Form eines Turmes. Poetisch veranlagte Naturen w\u00e4ren da schon hellh\u00f6rig geworden: Der Turm, ein Solit\u00e4r, wehrhaft, aber sehr einsam. Doch Journalisten sind nicht poetisch veranlagt. W\u00e4ren sie es, s\u00e4\u00dfen sie im Feuiletton und nicht bei der Baubeigeordneten. Der in Rede stehende Keks jedenfalls geh\u00f6rt zu einer Kekssammlung, wie es ihrer tausende gibt. Der durchschnittliche Journalist wird w\u00f6chentlich im Schnitt 3,72 Mal mit solchen Keksen konfrontiert, die meist als launiges Beiwerk zu nur m\u00e4\u00dfig genie\u00dfbarem Filterkaffee bei Presseeinladungen am sp\u00e4ten Vormittag daherkommen. Ist nicht zuf\u00e4llig noch ein stets hungriger Fotograf im Raum, bleiben sie meist unangetastet, die Kekse.<br \/>\nNicht so in Zimmer 1.023 des Stadthauses, wenn die Beigeordnete Neuigkeiten f\u00fcr die Presse vorhielt. Sie griff bei den Turmkeksen stets beherzt zu \u2013 als Gastgeberin ihr gutes Recht. Was die Sache nicht unerheblich komplizierte, ist, dass es derer je Packung nur zwei gibt \u2013 der Kekse, nicht der Beigeordneten. Und: Sie betonte stets launig und lauthals, dass diesen Keksen ihr unumst\u00f6\u00dfliches Interesse g\u00e4lte. H\u00e4tte sie wortlos ge\u0007kr\u00fcmelt, die Geschichte w\u00e4re wohl anders verlaufen. Zun\u00e4chst lie\u00dfen die Reporter die Beigeordnete gew\u00e4hren, denn sie haben ein prinzipielles Misstrauen, wenn sie auf Terminen gef\u00fcttert werden sollen. Doch dann berichteten sie in der Redaktion von der Vorliebe der Beigeordneten, und die Dinge nahmen einen dramatischen Lauf. Redaktionsleiter n\u00e4mlich, die Natur und die Berufssoziologie wollen es so, sind per Definition Alphatiere \u2013 beim n\u00e4chsten Termin in 1.023 folglich harrten der Beigeordneten keinerlei Turm-Kekse mehr, stattdessen aber zwei vollgekr\u00fcmelte Lokalchefs mit diabolischem Grinsen. Der Brunnen war augenblicklich vergiftet, der Fehdehandschuh geworfen, das Kriegsbeil exhumiert. Doch man wird nicht Beigeordnete im nur mit paramilit\u00e4rischen Methoden zu \u00fcberlebenden Bauressort Potsdams, wenn man sich nicht zu wehren wei\u00df: Beim n\u00e4chsten Termin erschien Kuick-Frenz deutlich fr\u00fcher, um Vorr\u00e4te sicherzustellen. Die Journaille ihrerseits schlug zur\u00fcck, in dem sie eine Vorhut aus niederen Chargen \u2013 Volont\u00e4re, freie Mitarbeiter \u2013 zur Keksreservierung entsandte. Die sich auf beiden Seiten unvermeidlich einstellenden Keksverluste wurden durch b\u00f6se Zeitungskommentare auf der einen und zur\u00fcckgehaltene Informationen auf der anderen Seite kompensiert. Eine normale, kritisch-w\u00fcrdigende Zusammenarbeit erwies sich f\u00fcrderhin als unm\u00f6glich. Das Klima war vergiftet, das Geb\u00e4ck auch, und so br\u00f6selte der Keks \u2013 man ging sich geh\u00f6rig auf denselben. Am Ende, man muss es sagen, hatte die Beigeordnete keine Chance mehr gegen die geballte ver\u00f6ffentlichte Meinung. Der wei\u00dfe Turm war befleckt, die Wiederwahl unm\u00f6glich. Und der einzige Hunger, der blieb, war der nach Vergeltung.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 05.08.2009<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jetzt, wo ihr Nachfolger in den Startl\u00f6chern steht, bereits erste Veranstaltungen besucht und Projekte begutachtet, k\u00f6nnen wir es ja sagen: Am Ende ist sie nicht am Battis-Bericht oder an schlechter Kommunikation gescheitert, die Baubeigeordnete Elke von Kuick-Frenz. Sondern an der Geschichte mit den Keksen. 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