{"id":143,"date":"2008-05-17T19:53:10","date_gmt":"2008-05-17T17:53:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wordpress\/?p=143"},"modified":"2008-06-23T19:56:30","modified_gmt":"2008-06-23T17:56:30","slug":"%e2%80%9eder-kanal-ist-voll%e2%80%9c-%e2%80%93-%e2%80%9eist-er-nicht%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=143","title":{"rendered":"\u201eDer Kanal ist voll!\u201c \u2013 \u201eIst er nicht!\u201c"},"content":{"rendered":"<p><strong>B\u00fcrgerprotest: Auf der Krisensitzung zu feuchten Kellern vertieften sich die Gr\u00e4ben, und neue taten sich auf<\/strong><\/p>\n<p>FALKENSEE Falls es noch eines Beleges bedurft h\u00e4tte, dass die Stadt Falkensee das Problem der nassen Keller untersch\u00e4tzte, ein Blick ins Hotel \u201eKronprinz\u201c h\u00e4tte am Donnerstag gen\u00fcgt: Der Saal war viel zu klein, viele Zuh\u00f6rer standen auf dem Flur, auf den Treppen oder sogar drau\u00dfen unter dem offenen Fenster. Die Temperatur war hoch, die Luft stickig, die Stimmung explosiv. Das kalte Wasser \u2013 Thema des Abends \u2013 blieb dabei abstrakt: Wovon die meisten zuviel hatten, hier h\u00e4tte es sich mancher gew\u00fcnscht. <\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Podium hatte sich die Stadt den seit Wochen klagenden B\u00fcrgern gestellt: Neben B\u00fcrgermeister Heiko M\u00fcller und den betroffenen Amtsleitern waren auch die Spitzen des Wasser- und Bodenverbandes (WBV), des Kreisumweltamtes und des Wasserverbandes dabei. Weit kamen sie mit ihren einf\u00fchrenden Worten freilich nicht. Anke Pingel vom Landesumweltamt wurde bereits nach zwei S\u00e4tzen unterbrochen, in denen sie erkl\u00e4ren wollte, dass es immer mal wieder Jahre mit extrem viel Niederschl\u00e4gen gebe. \u201eDas wissen wir alles. Das Problem ist aber, dass die Gr\u00e4ben nicht mehr funktionieren\u201c, rief ein Teilnehmer aus dem Falkenseer Ortsteil Waldheim. Andere fielen ein, und unter den Zuh\u00f6rern kam St\u00f6hnen auf, wenn das Wort Waldheim fiel. Von einer B\u00fcrgerversammlung aufgeputscht, waren die Waldheimer in Scharen gekommen und schienen wild entschlossen, ihre Probleme zum Hauptthema zu machen. Das ging eine Weile gut, dann platzte jemandem der Kragen. \u201eWir reden hier nicht nur \u00fcber Waldheim. Waldheim ist eine Sumpfwiese, wer da baut, wei\u00df, was ihm bl\u00fcht\u201c, rief er, und im sich nun entspannenden Wortgefecht hatte das Expertengremium erstmal Sendepause. <\/p>\n<p>Kreisumweltdezernent Henning Kellner schlie\u00dflich gelang es mit einer geschickten Wendung, sich Aufmerksamkeit und sogar etwas Sympathie zu verschaffen: Er r\u00e4umte Vers\u00e4umnisse ein. \u201eWir haben in den letzten 13 Jahren Gr\u00e4ben vernachl\u00e4ssigt, Fl\u00e4chen zu sehr verdichtet und auch Gr\u00e4ben aufgegeben. Es gibt keine Linderung, wenn wir nicht weitere Entw\u00e4sserungsanlagen bauen und die bestehenden in einen besseren Zustand bringen\u201c, sagte er und forderte sowohl die Unterst\u00fctzung des Landes als auch die Initiative der Hauseigent\u00fcmer ein. F\u00fcr ein paar Minuten waren Waldheim und der Rest Falkensees wieder vereint. <\/p>\n<p>Das gab sich. Schon als WBV-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Horst Jorgas anhob, er habe 2116 Kilometer Gr\u00e4ben zu unterhalten, aber nur 26 Mitarbeiter, die jetzt schon restlos \u00fcberlastet seien, schlug ihm wieder h\u00f6rbarer Unmut entgegen. Dass und warum die Lage kaum zu bessern ist, wollte im \u201eKronprinz\u201c niemand h\u00f6ren, und Jorgas\u2019 Zugest\u00e4ndnis, viele Gr\u00e4ben seien in katastrophalem Zustand, quittierte das Publikum nur mit Hohn. \u201eIhre Probleme sind uns Wurst! Tun sie etwas\u201c riefen ihm die Waldheimer zu, und sofort taten sich auch die Gr\u00e4ben im Auditorium wieder auf, die sich im Gegensatz zu denen f\u00fcrs Grundwasser im Laufe des Abends stetig vertieften. Nun nahm die Debatte zuweilen skurrile Z\u00fcge an: Einer forderte den Austritt aus dem Wasser- und Bodenverband, ein anderer wollte die Einf\u00fchrung eines Wasserwirtschaftsministeriums erzwingen und eine Frau bekannte, ein trockener Keller sei ihr wichtiger als jedweder Umweltschutz. Als sich dann zwei Herren hochroten Kopfes wechselseitig quer \u00fcber den Saal zuriefen \u201eDer Kanal ist voll!\u201c \u2013 \u201eNein, ist er nicht!\u201c, war zumindest f\u00fcr Heiko M\u00fcller der Kanal voll: Er nahm seine Mitarbeiter in Schutz, die teilweise harsch und pers\u00f6nlich angegriffen wurden, versprach \u201eweiterhin alles Menschenm\u00f6gliche\u201c zu tun, um das Problem zu mildern, k\u00fcndigte an, sich mit der Bahn in Verbindung zu setzen, weil der Waldheimer Manfred Eckert einen zu hoch gelegenen Durchlass an der ICE-Strecke als Ursache f\u00fcr die \u00dcberschwemmungen ausgemacht hatte und wischte im \u00dcbrigen die Drohung Betroffener vom Tisch, sie lie\u00dfen sich die Sanierungskosten von der Stadt zur\u00fcckzahlen: \u201eDa mache ich ihnen rechtlich wenig Hoffnung.\u201c Dann l\u00f6ste er die Versammlung nach zweieinhalb Stunden auf, und alle gingen recht unbefriedigt nach Hause. Bis auf den Herren, der Flugbl\u00e4tter f\u00fcr einen Falkenseer Pumpenh\u00e4ndler und Abpumpservice verteilt hatte. Er l\u00e4chelte. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 17.05.2008<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>B\u00fcrgerprotest: Auf der Krisensitzung zu feuchten Kellern vertieften sich die Gr\u00e4ben, und neue taten sich auf FALKENSEE Falls es noch eines Beleges bedurft h\u00e4tte, dass die Stadt Falkensee das Problem der nassen Keller untersch\u00e4tzte, ein Blick ins Hotel \u201eKronprinz\u201c h\u00e4tte am Donnerstag gen\u00fcgt: Der Saal war viel zu klein, viele Zuh\u00f6rer standen auf dem Flur, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[20,12,3,14,33,29,31,27],"tags":[],"class_list":["post-143","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-bericht","category-dh","category-maz","category-reportage","category-stilform","category-toho","category-publishedin","category-rating"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2HHro-2j","jetpack_likes_enabled":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=143"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/143\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=143"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=143"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=143"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}