{"id":1448,"date":"2009-09-24T00:00:04","date_gmt":"2009-09-23T23:00:04","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=1448"},"modified":"2009-09-25T18:00:26","modified_gmt":"2009-09-25T17:00:26","slug":"rumpelnde-wahlwerbung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=1448","title":{"rendered":"Rumpelnde Wahlwerbung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Politik: Gr\u00fcne und Linke chauffierten den W\u00e4hler mit Stra\u00dfenbahnen durch die Stadt<\/strong><\/p>\n<p><em>Gute Laune, quietschende Bremsen: Gr\u00fcnen-Bundeschefin Claudia Roth und Landtagskandidaten der Linken waren auf Tour.<\/em><\/p>\n<p>POTSDAM | \u00a0Es herrscht nicht wirklich Gedr\u00e4nge an diesem Dienstagabend, auch wenn am Hauptbahnhof jedes zweite Plakat f\u00fcr \u201eStra\u00dfenbahnfahren mit Claudia\u201c wirbt. Das mag daran liegen, dass Claudia Roth, Bundesvorsitzende der Gr\u00fcnen, mit satten zwei Stunden Versp\u00e4tung in die historische Gotha-Bahn steigt. Selbst der Ruf \u201eBis Platz der Einheit, kostenlos!\u201c, von eifrigen gr\u00fcnen Parteig\u00e4ngern in die k\u00fchle Nacht gerufen, verhallt nahezu ungeh\u00f6rt. Nur eine Gruppe Schwaben, die eigentlich in eine andere Richtung wollte, steigt der Landsfrau zuliebe ein. Und Harri. Harri tr\u00e4gt Leggings mit Tigerdruck, Gummischuhe und eine Art Nachthemd unter einer Sportjacke, seine Habe f\u00e4hrt er in einem ausgedienten Kinderwagen vor sich her: Decke, Bierflaschen, Leergut. Er steige ein, weil er auf Verpflegung und ein warmes Pl\u00e4tzchen hoffe, sagt er. Letzteres kann ihm die Tatrabahn bieten, ersteres nur bedingt: Wasser und Weintrauben schenken die Gr\u00fcnen aus, eine Mischung, von der Harri sagt: \u201ekriechick D\u00fcnnsch&#8230; von\u201c. Mit dieser Haltung steht er schnell allein. Die Gr\u00fcnen sagen, es w\u00e4re wegen des Geruchs.<br \/>\nIndes hat Claudia Roth, die auch nach einem langen Tag, der um 7 Uhr mit vier Tassen Kaffee und einer Parteiklausur in N\u00fcrnberg begann, recht munter wirkt, das Mikrofon der Stra\u00dfenbahn ergriffen und freut sich zun\u00e4chst, dass Schwaben an Bord sind: \u201eWenn\u2019s was umsonst gibt, da fahrt\u2019s schon mit, gell?\u201c frotzelt sie. Die Stimmung bleibt auch gut, als Roth sagt, in Ostdeutschland hielten viele die Gr\u00fcnen f\u00fcr einen Luxus, den man nur in guten Zeiten w\u00e4hlen k\u00f6nne, weil sie sich um Mopsflederm\u00e4use und Gr\u00e4ser k\u00fcmmerten. Was nat\u00fcrlich so nicht stimme. Es sei h\u00f6chste Zeit, sagt sie, dass die Mark gr\u00fcner w\u00fcrde, den abtr\u00fcnnigen Parteig\u00e4nger Platzeck m\u00fcsse man an seine fr\u00fchen Ziele mahnen, und Kohle sei nun wirklich keine Zukunftsenergie. Sie beklagt die \u201eAusschlie\u00dferei\u201c im Bundestagswahlkampf, schlie\u00dft aber im selben Satz die \u201eJamaika-Koalition\u201c aus und erz\u00e4hlt, dass Trams schon als Kind f\u00fcr sie das Gr\u00f6\u00dfte waren. Am Platz der Einheit befragt Roth den Zugf\u00fchrer zu technischen Details, Harri indes steigt aus; er ist an diesem Abend kein Gr\u00fcnen-W\u00e4hler geworden. \u201eDie kommt also mittn Fliega und \u2019n Auto und will mia watt \u00fcber \u00d6kolojie erz\u00e4hln\u201c, sagt er im Fortgehen, den Kinderwagen vor sich her schiebend. Claudia Roth muss indes mit dem Bus weiter nach Rostock. 25000 Kilometer legt sie in neun Wochen Wahlkampf zur\u00fcck. \u201eDas geht mit dem Fahrrad nunmal nicht\u201c, st\u00f6hnt sie.<br \/>\nWeniger gehetzt und bester Laune drehen zw\u00f6lf Stunden sp\u00e4ter die Linken eine Runde durch die Stadt. Landtagskandidatin Anita Tack hat eingeladen, Hans-J\u00fcrgen Scharfenberg und Bundestagskandidat Rolf Kutzmutz sind mit an Bord der diesmal knallroten Tatra. Als verkehrspolitische Sprecherin hat Tack die Stra\u00dfenbahn als Wahlkampfmobil erw\u00e4hlt, als K\u00e4mpferin f\u00fcr eine Wiederbelebung des Bahnhofs Pirschheide das Fahrziel festgelegt. Und die Lieblingsforderung der Linken, den kostenlosen Sch\u00fclerverkehr, kann sie so auch noch zwanglos anbringen.<br \/>\nVon Harri keine Spur, doch es h\u00e4tte ihm gefallen: Es gibt starken Kaffee und handfeste Br\u00f6tchen. Als dann auch noch sechs Kinder mit zwei Erziehern auf dem Weg zur Kita \u201eFirlefanz\u201c zusteigen, ist der Wahlkampftraum nahezu perfekt. Die J\u00fcngstw\u00e4hler sind an verkehrspolitischen Fragen zwar eher desinteressiert, nehmen Bonbons und Luftballons aber gern an. Auch die weitere Klientel ist dankbar: Eine \u00e4ltere Dame kommt nun schneller zur Apotheke, ein \u00e4lterer Herr rechtzeitig zum Arzt: \u201eJanz tolle Idee\u201c, lobt er. An jeder Haltestelle tobt ein Junglinker heraus, um Wahlplakate \u00fcber die Fahrpl\u00e4ne zu kleben. Einmal w\u00e4re die Bahn fast ohne ihn weitergefahren, doch die resolute Anita Tack l\u00e4sst stoppen: \u201eDie Linke vergisst keinen\u201c, sagt sie, als ihr Helfer wieder an Bord ist.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 24.09.2009<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Politik: Gr\u00fcne und Linke chauffierten den W\u00e4hler mit Stra\u00dfenbahnen durch die Stadt Gute Laune, quietschende Bremsen: Gr\u00fcnen-Bundeschefin Claudia Roth und Landtagskandidaten der Linken waren auf Tour. POTSDAM | \u00a0Es herrscht nicht wirklich Gedr\u00e4nge an diesem Dienstagabend, auch wenn am Hauptbahnhof jedes zweite Plakat f\u00fcr \u201eStra\u00dfenbahnfahren mit Claudia\u201c wirbt. 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