{"id":148,"date":"2008-05-10T20:05:15","date_gmt":"2008-05-10T18:05:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wordpress\/?p=148"},"modified":"2008-08-19T13:43:58","modified_gmt":"2008-08-19T11:43:58","slug":"kratzen-am-kohlrabi-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=148","title":{"rendered":"Kratzen am Kohlrabi"},"content":{"rendered":"<p><strong>Esskunst: Karsten Kindler fertigt filigrane Wunderwerke aus gew\u00f6hnlichem Gem\u00fcse<\/strong><\/p>\n<p><em>Um eine Chrysantheme aus einem Kohlrabi zu befreien, braucht es Geschick, Konzentration und Hingabe. Doch der Aufwand lohnt, wie ein Nauener t\u00e4glich beweist.<\/em> <\/p>\n<p>NAUEN Die chinesische Distel ist die schwerste. Ihre filigranen Strukturen bringen selbst hartgesottene, beherrschte asiatische Meister zum Fluchen. Nicht so Karsten Kindermann. Kindermann liebt seine chinesische Distel \u2013 auch wenn, so darf vermutet werden, selbst ihm nicht gleich jede gelang. Doch Kindermann ist ein Perfektionist am Messer, und je kniffliger die Aufgabe, desto konzentrierter und motivierter geht der Nauener zu Werke. Das Ergebnis bringt ihm regelm\u00e4\u00dfig viele \u201eAhs\u201c und \u201eOhs\u201c ein, und neben der Reputation des Restaurants, in dem der Koch arbeitet, hebt es auch den Pegel von Kindlers Taschengeldkasse, denn der 45-J\u00e4hrige beliefert auf Wunsch auch private Feiern oder Firmen mit seiner essbaren Filigrankunst. <\/p>\n<p>Die meisten und lautesten Entz\u00fcckensrufe erntet Kindermann, wenn er, hochkonzentriert und etwas entr\u00fcckt wirkend, auf der Gr\u00fcnen Woche die im Kohlrabi verborgenen Chrysanthemen oder die zartbl\u00e4ttrigen Rosen aus dem Radieschen freilegt. Dort ist meist viel Trubel am Stand. Trubel, der den eher zur\u00fcckhaltenden Kindermann fast sch\u00fcchtern wirken l\u00e4sst. Dann schiebt er das 32-teilige Spezialmesserset, das ein wenig an die Werkzeuge von Linolschneidern erinnert, und seine Werkst\u00fccke zwischen sich und die Welt. Karsten Kindermann tritt gern hinter seinen Werken zur\u00fcck. <\/p>\n<p>Wie jedes Kunstwerk, sind auch die Rettichrosen, die Ananasvasen, die Kohlrabitauben und das Zucchini-Laub von der Verg\u00e4nglichkeit bedroht \u2013 nur schneller. H\u00f6chstens zwei Tage h\u00e4lt sich Kindlers K\u00f6nnen, und auch das nur, wenn es feucht gehalten und k\u00fchl aufbewahrt wird. \u201eEssen m\u00f6gen sie das dann aber auch schon nicht mehr\u201c, sagt der Nauener trocken. Deshalb fertigt er f\u00fcr jede Bestellung frisch am jeweiligen Tag. Lediglich an den K\u00fcrbissen kann der Besteller auch mal l\u00e4nger Freude haben. Aber eigentlich, sagt Kindler, ist das ja auch nicht der Sinn der Angelegenheit \u2013 die Verg\u00e4nglichkeit geh\u00f6rt wie bei einer Eisskulptur dazu. Und echte Blumen halten schlie\u00dflich auch nicht ewig. <\/p>\n<p>Sein Erweckungserlebnis hatte Karsten Kindler vor zehn Jahren auf einer Lebensmittelmesse, wo der mehrfache Weltmeister Xiang Wang f\u00fcr sein Gem\u00fcseschnitz-Messerset warb. Schwer beeindruckt, versuchte Kindler zu Hause auf eigene Faust das nachzumachen. \u201eKann man vergessen\u201c, lautete sein Fazit, und so importierte er sich zwei chinesische Lehrb\u00fccher, von denen er zwar kein Wort verstand, aber die Bilder studierte. So ging es schon besser, und nach mehreren Lehrg\u00e4ngen beim Meister \u2013 Kindler besuchte jeden Kurs, den Xiang Wang anbot \u2013 entwickelte er jene Perfektion, die selbst die asiatischen Profis mittlerweile anerkennen. <\/p>\n<p>Dort, in Asien, hat das Gem\u00fcseschnitzen eine Jahrhunderte alte Tradition, es pr\u00e4gten sich verschiedene Stile aus. Die Chinesen etwa, erz\u00e4hlt Kindler, benutzen hunderte hochspezialisierter Werkzeuge, in Thailand hingegen wird nur mit dem Messer geschnitzt. <\/p>\n<p>Karsten Kindler geht einen Mittelweg. In seinen Kursen, die er f\u00fcr Senioren oder anderweitig Interessierte anbietet, lehrt er nur jene Figuren, die auch mit dem K\u00fcchenmesser zu bew\u00e4ltigen sind, denn kaum jemand gibt mehrere hundert Euro f\u00fcr Spezialwerkzeug aus. Doch Filigranes wie seine Distel k\u00f6nnte er ohne Hilfsmittel nicht aus einem schn\u00f6den, runden Kohlrabi befreien. <\/p>\n<p>Nach mehr als zehn Jahren \u00dcbung hat der Nauener nun so ziemlich alles geschnitzt, was die einschl\u00e4gigen B\u00fccher zeigen. Selbst Tiere sind keine echte Herausforderung mehr, weshalb Karsten Kindler vermehrt zu Eigenkreationen wie extravaganten Halloweenk\u00fcrbissen oder exklusivem Gem\u00fcseschmuck f\u00fcr Themenbuffets \u00fcbergeht. <\/p>\n<p>Info: Tel. (03321) 83 58 46 oder (0177) 64 64 963 <\/p>\n<p><em>Erschienen am 10.05.2008<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Esskunst: Karsten Kindler fertigt filigrane Wunderwerke aus gew\u00f6hnlichem Gem\u00fcse Um eine Chrysantheme aus einem Kohlrabi zu befreien, braucht es Geschick, Konzentration und Hingabe. Doch der Aufwand lohnt, wie ein Nauener t\u00e4glich beweist. NAUEN Die chinesische Distel ist die schwerste. Ihre filigranen Strukturen bringen selbst hartgesottene, beherrschte asiatische Meister zum Fluchen. Nicht so Karsten Kindermann. 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