{"id":159,"date":"2008-04-19T20:26:43","date_gmt":"2008-04-19T18:26:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wordpress\/?p=159"},"modified":"2008-06-23T20:29:59","modified_gmt":"2008-06-23T18:29:59","slug":"forschen-schritts-durch-die-geschichte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=159","title":{"rendered":"Forschen Schritts durch die Geschichte"},"content":{"rendered":"<p><strong>Historie: Im Olympischen Dorf haben die F\u00fchrungen wieder begonnen \/ Nasskaltes Wetter sorgte bislang f\u00fcr wenig Andrang<\/strong><\/p>\n<p><em>Der Abriss zweier Plattenbauten im Olympischen Dorf ist so gut wie abgeschlossen. Daf\u00fcr kommen jetzt die Besucher. <\/em><\/p>\n<p>ELSTAL  Die Bedingungen sind nicht eben optimal: Es ist kalt, ein fieser, eisiger Nieselregen dringt durch jede Jacke und die Truppe, die sich am Eingang des Olympischen Dorfes sammelt, k\u00f6nnte motivierter sein. Die meisten sind Ein-Euro-Jobber, die von der Akademie Seeburg zum Dorfrundgang abkommandiert wurden: Um sich weiterzubilden, und weil sie in einem Tourismus-Projekt sp\u00e4ter Flyer entwerfen sollen. Ob\u2019s nun dem Wetter geschuldet ist oder dem Umstand, dass viele das Olympische Dorf l\u00e4ngst kennen: Kommentare wie \u201eHat einer ein Koppkissen bei?\u201c und demonstratives G\u00e4hnen lassen nur auf gut verborgene Begeisterung schlie\u00dfen. <\/p>\n<p>Dorff\u00fchrer Klaus Michels, ehemaliger Sport- und Russischlehrer, l\u00e4sst sich davon aber wenig beeindrucken: An seiner Jacke perlt der Regen ebenso ab wie die allzu laut gefl\u00fcsterten Kommentare an seiner Begeisterung. Also setzt der 70-J\u00e4hrige mit einem \u201eUnd los!\u201c den m\u00fcden Tross in Gang, als starte er einen Crosslauf und eilt forschen Schritts voran. <\/p>\n<p>Michels kennt sich auf dem 55 Hektar gro\u00dfen Areal aus wie in seiner Hosentasche, das wird mit jedem Wort klar. Er kennt die Lage jedes Geb\u00e4udes, ob es nun noch steht wie die rund 20 ehemaligen Sportlerunterk\u00fcnfte oder von den russischen Streitkr\u00e4ften abgerissen wurde wie die repr\u00e4sentative Empfangshalle und etwa 100 weitere Sportlerheime. \u201eJunge, der kennt wohl selbst jeden Stein hier mit Vornamen\u201c, entf\u00e4hrt es einem Teilnehmer, und trotz aller Unlust schwingt Respekt in diesem Satz. <\/p>\n<p>Klaus Michels hat sich einen Zeitplan von zwei Stunden gesetzt, und er ist entschlossen, das zu schaffen. Im Sauseschritt geht\u2019s zun\u00e4chst zum Kommandantenhaus, er erkl\u00e4rt, was davon noch steht und wie es fr\u00fcher aussah, welche Teile warum fehlen und ist schon weiter unterwegs zum Waldsee, der inzwischen ausgetrocknet ist. Die Sauna, auf Wunsch der finnischen Mannschaft angelegt, existiert auch nicht mehr, doch Michels hat ein Foto davon dabei. Er zeigt es und sprintet zum Hindenburghaus weiter, im Laufen darum bittend, die Privatgespr\u00e4che wenigstens leiser zu f\u00fchren, damit die dann doch Interessierten ihn verstehen k\u00f6nnen. <\/p>\n<p>Eveline und Frank Unger sind zwei dieser \u201edann doch Interessierten\u201c: Sie haben 49. Hochzeitstag und sind fest entschlossen, aus diesem Anlass \u201eetwas Neues aufzunehmen\u201c. Rathenow und Nauen kennen die Steglitzer Rentner mittlerweile bestens, nun ist das Olympische Dorf dran. Sie sind begeistert \u2013 nicht nur von Klaus Michels\u2019 F\u00fchrung, die sie als \u201eexzellent\u201c und \u201erhetorisch brillant\u201c loben, sondern auch von der Sch\u00f6nheit des Gel\u00e4ndes und dem Einsatz der DKB-Stiftung f\u00fcr dessen Erhalt, den sie \u201esegensreich\u201c nennen. Einzig den geringen Bekanntheitsgrad des halbverfallenen Schmuckst\u00fccks vor den Toren Berlins beklagen sie und sind wild entschlossen, in ihrem Bekanntenkreis f\u00fcr einen Besuch zu werben. <\/p>\n<p>W\u00e4hrend Klaus Michels mit den beiden \u00fcber den \u201eThing\u201c und die \u201eBastion\u201c zur Speisehalle der Nationen weitereilt, die restliche Gruppe wie einen st\u00f6rrischen Hund hinter sich herziehend, muss DKB-Mitarbeiter Jens Becker die Bauarbeiter bremsen. Vor wenigen Wochen haben sie mit dem Abriss zweier der h\u00e4sslichsten Plattenbauten aus der Zeit der russischen Garnison begonnen, jetzt sind sie ihm etwas zu z\u00fcgig, denn das Olympische Dorf erregt zunehmend Medieninteresse: Der \u201eSpiegel\u201c, die \u201eZeit\u201c, die \u201eNew York Times\u201c gar, wollen \u00fcber die Erhaltung des Dorfes und die Entfernung der russischen Hinterlassenschaften berichten, doch vom ehemaligen russischen Caf\u00e9 etwa k\u00fcndet nur noch ein Hinweisschild, das Haus ist weg, der Boden planiert, selbst Gras schon ges\u00e4t. <\/p>\n<p>Klaus Michels, der sonst mit kritischen Worten nicht spart, nennt das Wirken der DKB am Ende seines Rundgangs unverhohlen \u201egro\u00dfartig\u201c, trotz Meinungsverschiedenheiten im Detail. Die abkommandierten Ein-Euro-Jobber sind da l\u00e4ngst ins Wochenende enteilt, und so hat er nun Zeit, im Trockenen der Sporthalle stehend, die interessierten Fragen der Ungers zu beantworten. \u201eWaren doch optimale Bedingungen\u201c, sagt er l\u00e4chelnd, bevor er sich auf sein Rad schwingt, um nach Hause zu fahren. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 19.04.2008<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Historie: Im Olympischen Dorf haben die F\u00fchrungen wieder begonnen \/ Nasskaltes Wetter sorgte bislang f\u00fcr wenig Andrang Der Abriss zweier Plattenbauten im Olympischen Dorf ist so gut wie abgeschlossen. Daf\u00fcr kommen jetzt die Besucher. ELSTAL Die Bedingungen sind nicht eben optimal: Es ist kalt, ein fieser, eisiger Nieselregen dringt durch jede Jacke und die Truppe, [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_feature_clip_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":false,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2},"jetpack_post_was_ever_published":false},"categories":[12,3,14,33,29,31,27],"tags":[],"class_list":["post-159","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-dh","category-maz","category-reportage","category-stilform","category-toho","category-publishedin","category-rating"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2HHro-2z","jetpack_likes_enabled":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/159","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=159"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/159\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=159"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=159"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=159"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}