{"id":2173,"date":"2010-07-24T00:00:07","date_gmt":"2010-07-23T23:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=2173"},"modified":"2014-04-02T16:13:18","modified_gmt":"2014-04-02T15:13:18","slug":"nachschlag-refugium-im-landgasthausstil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=2173","title":{"rendered":"Nachschlag: Refugium im Landgasthausstil"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die \u201eMaison Charlotte\u201c empfiehlt sich als romantischer R\u00fcckzugsraum mit hohem kulinarischen Anspruch<\/strong><\/p>\n<p><em>Ob Spitzenrestaurant, Caf\u00e9, Kneipe, Ausflugslokal oder D\u00f6ner \u2013 Mitarbeiter des Potsdamer Stadt- und Landkuriers sind als anonyme Tester unterwegs.<\/em><\/p>\n<p>POTSDAM | \u00a0Holzst\u00fchle an dunklen Holztischen und Platten von Weinkisten an den W\u00e4nden drinnen, Korbsessel und Karotischdecken drau\u00dfen \u2013 von den drei Restaurants, die Ralf Junick in Potsdam betreibt, ist das \u201eMaison Charlotte\u201c im Holl\u00e4ndischen Viertel das rustikalste \u2013 im besten Wortsinn. Das \u201eCharlotte\u201c hat sich nicht nur auf franz\u00f6sische K\u00fcche spezialisiert, es erinnert auch in der detailfrohen Ausstattung an ein franz\u00f6sisches Landgasthaus. Die Pl\u00e4tze sind, besonders im Winter, wenn der Innenhof mit dem schattenspendenden Nussbaum nicht zur Verf\u00fcgung steht, begrenzt: Daher empfielt sich das Charlotte einerseits als romantischer R\u00fcckzugsort, es macht aber gerade an den Wochenenden eine Reservierung ratsam.<br \/>\nDie Karte lockt schon von der Stra\u00dfe mit Els\u00e4sser Flammkuchen zu zivilen Preisen von urt\u00fcmlich belegt (mit Schmand, Speck und Zwiebeln f\u00fcr 8 Euro) bis ambitioniert (mit Rucola, R\u00e4ucherlachs und Honig-Senf-Dill-Sauce f\u00fcr 12,50 Euro), bietet aber auch der verfeinerten Zunge genug Auswahl zu Preisen von bis zu 22 Euro f\u00fcr einen Hauptgang.<br \/>\nEin Platz im Inneren kommt an diesem hei\u00dfen H\u00f6chstsommertag nicht in Frage, schnell ist ein schattiger Tisch, beschirmt von Baum und Sonnensegel gefunden. Zur Abk\u00fchlung dr\u00e4ngt sich ein eleganter Els\u00e4sser Cremant ros\u00e9 auf. Er begleitet die Vorspeisen perfekt: Die gratinierten Austern mit Spinat und Frischk\u00e4se sind eine Offenbarung selbst f\u00fcr G\u00e4ste, die sie pur f\u00fcr gew\u00f6hnlich meiden \u2013 im Spinatbett und unter der anger\u00f6steten K\u00e4sehaube verlieren sie ihren fischig-schleimigen Charakter und entfalten ihr zartes Aroma optimal. Die Jakobsmuscheln auf Ingwer-Spinatsalat sind zwar auf den Punkt perfekt gebraten, der Ingweranteil tut aber der Sch\u00e4rfe zuviel, so dass die zarten Muschelnoten in der brennenden Mundh\u00f6hle wenig Resonanzraum finden. Schade.<br \/>\nZum Hauptgang darf es Kalbsfilet sein, aktuell der Star der Karte und passend zur Saison mit Pfifferlingen und Couscous serviert, begleitet von einem klassischen roten Bordeaux. Am tadellosen Filet gibt es nichts auszusetzen, es ist saftig, frisch und hat im perfekten Medium-Zustand die Pfanne verlassen, die Pfifferlinge, mit einem Balsamicodressing betupft, flankieren es aufs Beste. Der Couscous indes kommt etwas langweilig daher und verstr\u00f6mt, obwohl frisch zubereitet, wenig aufregenden Kochbeutel-Charme. Er bleibt, obgleich die Portion nicht eben \u00fcppig ist, selbst an den Nebentischen daher zu gro\u00dfen Teilen auf dem Teller zur\u00fcck.<br \/>\nDie Dessertauswahl, obwohl nur zwischen drei Positionen zu treffen, geh\u00f6rt zu den h\u00e4rtesten unseres kulinarischen Daseins: Die klassische Cr\u00e8me Br\u00fbl\u00e9e konkurriert mit einer Zitronengras-Panacotta an Rharbarber und dem Rosenbl\u00e4ttersorbet mit Holunderbl\u00fcten um die Restpl\u00e4tze im Magen des Gastes. Wir entscheiden uns f\u00fcr den Klassiker und lernen, dass dies an diesem Abend keine umwerfende Wahl ist: Die Creme ist zu stark aufgestockt und tendiert fast schon ins Kr\u00fcmelige, der Zuckerguss ist bereits vollst\u00e4ndig erkaltet und verst\u00e4rkt den Verdacht, das Dessert sei bereits vorbereitet aus dem K\u00fchlschrank gekommen. Die leicht angeschrumpelte Erdbeere schlie\u00dft die Indizienkette. Trotz sehr moderaten Preises (4,50 Euro) gibt sich das Charlotte hier eine Bl\u00f6\u00dfe.<br \/>\nWer mit gro\u00dfem Hunger oder an einem k\u00fchleren Tag ins Charlotte geht, dem sei noch die epochal-gute Bretonische Fischsuppe empfohlen, die l\u00e4ngst Ber\u00fchmtheit erlangt hat. Angesichts der Portionsgr\u00f6\u00dfe empfiehlt sich dann aber nur noch ein Salat \u2013 oder der sofortige \u00dcbergang von der Vorspeise zum Dessert.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 24.07.2010<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201eMaison Charlotte\u201c empfiehlt sich als romantischer R\u00fcckzugsraum mit hohem kulinarischen Anspruch Ob Spitzenrestaurant, Caf\u00e9, Kneipe, Ausflugslokal oder D\u00f6ner \u2013 Mitarbeiter des Potsdamer Stadt- und Landkuriers sind als anonyme Tester unterwegs. 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