{"id":276,"date":"2007-09-01T23:47:15","date_gmt":"2007-09-01T21:47:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wordpress\/?p=276"},"modified":"2008-07-03T23:49:16","modified_gmt":"2008-07-03T21:49:16","slug":"medien-ethik-in-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=276","title":{"rendered":"Medien-Ethik in Europa"},"content":{"rendered":"<p><strong>Prominente Journalisten diskutierten vor dem M100-Jugendworkshop<\/strong><\/p>\n<p>\u201eMein Beileid\u201c, er\u00f6ffnete Hans-Ulrich J\u00f6rges, Vizechef des \u201eStern\u201c, \u201esie m\u00fcssen sich jetzt stundenlang langweilige Debatten anh\u00f6ren. Doch gew\u00f6hnen sie sich dran: Das wird ihnen noch die n\u00e4chsten 50 Jahre so gehen.\u201c Es war eine knackige Er\u00f6ffnung des M100-Jugendmedien-Workshops, die der Ank\u00fcndigung scheinbar widersprach. Und so lachten sie zun\u00e4chst, die 35 Teilnehmer aus zw\u00f6lf europ\u00e4ischen L\u00e4ndern und Israel, die zur Podiumsdiskussion ins Haus der Brandenburgisch-Preu\u00dfischen Geschichte gekommen waren. Die 18- bis 25-J\u00e4hrigen erwartete ein Podiumsgespr\u00e4ch \u00fcber \u201eEthische Richtlinien f\u00fcr Journalismus in Europa\u201c. J\u00f6rges im Podium ist da eine gute Idee, denn er redet nicht nur zu allen journalistischen Themen in der \u00d6ffentlichkeit gern und ausdauernd, sondern meist auch bissig und daher unterhaltsam. Und so ging es dann los: Richtlinien seien schonmal schlecht, denn sie schr\u00e4nkten die Pressefreiheit ein, man spr\u00e4che doch besser von ethischen Standards, lie\u00df er die Runde wissen. Ehrlichkeit, Integrit\u00e4t und Unabh\u00e4ngigkeit seien die einzigen Rezepte, verk\u00fcndete J\u00f6rges. Er erkl\u00e4rte das so, als sei nun alles gesagt und man k\u00f6nne endlich zum Buffet schreiten. Doch ein wenig reden wollten die anderen im Podium doch noch. Andrea Seibel, Vize-Chefin der \u201eWelt\u201c, erkl\u00e4rte, die Tendenz zur Unterhaltung sei gef\u00e4hrlich. Susan Neiman vom Einstein Forum warnte die jungen Teilnehmer davor, der verf\u00fchrerischen Berufskrankheit Zynismus zu verfallen (\u201eGuter Journalismus geh\u00f6rt in die Tradition der Aufkl\u00e4rung!\u201c), und Joachim Huber, Ressortleiter Medien beim \u201eTagesspiegel\u201c, fasste es pragmatisch: \u201eL\u00fcgen Sie nicht, wenn sie wissen, dass Sie l\u00fcgen!\u201c Dann kam wieder J\u00f6rges, der wusste, dass 80 Prozent der Journalisten ohnehin schon vom Weg abgekommen und den vielen Verf\u00fchrungen erlegen seien. Die Gesichter der Teilnehmer wurden w\u00e4hrend dieser Debatte immer leerer \u2013 wohl auch, weil sie nicht mitreden durften. Da war es gut, dass der Journalist Mathew D. Rose dazu riet, nie den Humor zu verlieren, obwohl der Journalismus in der Krise sei. Ein Rat, den etwa Hans-Ulrich J\u00f6rges schon seit Jahren befolgt. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 01.09.2007<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Prominente Journalisten diskutierten vor dem M100-Jugendworkshop \u201eMein Beileid\u201c, er\u00f6ffnete Hans-Ulrich J\u00f6rges, Vizechef des \u201eStern\u201c, \u201esie m\u00fcssen sich jetzt stundenlang langweilige Debatten anh\u00f6ren. Doch gew\u00f6hnen sie sich dran: Das wird ihnen noch die n\u00e4chsten 50 Jahre so gehen.\u201c Es war eine knackige Er\u00f6ffnung des M100-Jugendmedien-Workshops, die der Ank\u00fcndigung scheinbar widersprach. 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