{"id":417,"date":"2007-06-10T23:02:28","date_gmt":"2007-06-10T21:02:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wordpress\/?p=417"},"modified":"2014-04-07T16:53:28","modified_gmt":"2014-04-07T14:53:28","slug":"pilchereske-ausmase","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=417","title":{"rendered":"Pilchereske Ausma\u00dfe"},"content":{"rendered":"<p>Zw\u00f6lf Minuten. So lange dauert es, bis der Zuschauer wei\u00df, wohin die Reise geht. In dem Moment, wo sich Jenny, scheinbar im \u00dcbermut, auf dem Rasen an die Brust des v\u00e4terlichen Freundes Lothar wirft und ihr Dekollet\u00e9 noch einen Moment nachwogt, ist klar, was kommen wird.<br \/>\nDoch der Reihe nach: Lothar (Udo Wachtveitl), Fotograf f\u00fcr Whirlpoolprospekte, und Flugkapit\u00e4n Milan (Miroslav Nemec), sind Freunde seit immer, aber nur die Copiloten ihres Lebens. Milan hat den Tod seiner Frau nicht verwunden und widersteht jedem Verkupplungsversuch durch offensiven Einsatz des Familienfotoalbums.<br \/>\nLothar hingegen sieht sich eher als K\u00fcnstler und befindet sich zudem im ehelich verordneten Zeugungsstress: Gattin Amelie hat sich f\u00fcr die sp\u00e4te Mutterschaft entschieden und einen strammen Fahrplan errichtet, der an den fruchtbaren Tagen dem immer gleichen Ritual aus Marvin Gayes \u201eSexual Healing\u201c und untergeschobenem Kissen folgt.  Die Konflikte brechen durch, als Milans Tochter Jenny vom Studium zur\u00fcckkehrt und eine Romanze mit Lothar beginnt. Das f\u00fchrt in Beziehungs- und Gef\u00fchlswirren pilcheresken Ausma\u00dfes, die nur treue Zuschauer des gro\u00dfen ZDF-Sonntagsfilms nicht mehr schrecken kann.<br \/>\nDie Charaktere wirken, als seien sie aus dem Kulissenfundus einer Inga-Lindstr\u00f6m-Verfilmung direkt auf die Startbahn der Copiloten geschoben: etwa der makellose Brian, Brite mit obligatem Akzent, der den hochwertigen Pullover stets adrett \u00fcber die Schultern gelegt tr\u00e4gt oder die hyperkritische Journalistin, die nur darauf wartet, den sp\u00e4ten Fotok\u00fcnstler Lothar in Grund und Boden zu schreiben. Da ist es folgerichtig, dass auch Friederike Kempter die Rolle der Jenny mit einer jedes Klischee erf\u00fcllenden Jugendlichkeit gibt, \u00c4ltere-Herren-Erotik inklusive.<br \/>\nWas bleibt, sind Fledermaus-F\u00fcttern im Sonnenuntergang und beziehungsrelevante Gespr\u00e4che an der Isar. Dass der Film dennoch keine 90-min\u00fctige Bruchlandung bietet, liegt allein am \u201eTatort\u201c-Duo Nemec und Wachtveitl, die dank ihrer Pr\u00e4senz daf\u00fcr sorgen, dass er zumindest eine gewisse H\u00f6he gewinnt. <\/p>\n<p>Gegen die seichte Story kommen sie aber nicht an, und sp\u00e4testens das ebenso vorhersehbare wie \u00fcberzuckerte Happy-End dieses telegenen Flachseglers macht ihre M\u00fchen zunichte. Warum sie sich in diese Tiefen schwingen mussten und was den Kultursender Arte bewog, dabei zu kooperieren, bleiben offene Fragen an diesem Fernsehabend.<\/p>\n<p><em>(Ver\u00f6ffentlicht am 10. Juli 2007)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zw\u00f6lf Minuten. So lange dauert es, bis der Zuschauer wei\u00df, wohin die Reise geht. In dem Moment, wo sich Jenny, scheinbar im \u00dcbermut, auf dem Rasen an die Brust des v\u00e4terlichen Freundes Lothar wirft und ihr Dekollet\u00e9 noch einen Moment nachwogt, ist klar, was kommen wird. 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