{"id":428,"date":"2008-07-15T14:56:01","date_gmt":"2008-07-15T12:56:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wordpress\/?p=428"},"modified":"2014-04-02T18:06:21","modified_gmt":"2014-04-02T17:06:21","slug":"schippern-fur-flugsauger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=428","title":{"rendered":"Schippern f\u00fcr Flugs\u00e4uger"},"content":{"rendered":"<p><strong>Spandaus Artensch\u00fctzer und das Bezirksamt sorgen mit Kreativit\u00e4t f\u00fcr satte Flederm\u00e4use<\/strong><\/p>\n<p><em>Spandaus Flederm\u00e4use lebten bislang von Eintrittsgeldern. Als die weggefielen, drohte Hunger. Doch findige Menschen hatten eine Idee: Jetzt leben die Flederm\u00e4use von gef\u00fchrten Bootstouren.<\/em><\/p>\n<p>Als der Katamaran zuviel Schlagseite bekommt, begann Gerhard Hanke, \u00f6ffentlich an seinem Di\u00e4terfolg zu zweifeln. Er sitzt von seinem Mitarbeiter begleitet auf der linken Seite, ihm gegen\u00fcber sitzen sechs Journalisten. Genau genommen h\u00e4ngen sie in der Luft, denn der Katamaran kippt bedrohlich in Richtung Bezirksstadtrat \u2013 auch wenn schnell versichert wird, das Boot sei unsinkbar. W\u00e4ren die Fotografen nicht an Bord, sie k\u00f6nnten vom Kai aus ein sehr unvorteilhaftes Bild schie\u00dfen. Doch Spandaus Bildungs- und Kulturstadtrat ist schlagfertig: Es handle sich um sein politisches Gewicht, das f\u00fcr die Einseitigkeit an Bord sorge. Einseitigkeit? Die Pressevertreter d\u00fcrfen sich was denken.<br \/>\nSo munter geht es zu an diesem sonnigen Junimorgen, ein gut gelaunter Stadtrat trifft gut gelaunte Journalisten, die sich eine Stunde lang durch die Sonne schippern lassen, an Bord eines Katamarans, mit dem ab sofort die Kan\u00e4le rund um die Spandauer Zitadelle erkundet werden d\u00fcrfen. Gekauft hat das 12 000 Euro teure Gef\u00e4hrt das Bezirksamt, nutzen d\u00fcrfen es die Herren vom Berliner Artenschutz-Team (BAT), das in der Zitadelle eine Fledermausstation betreibt.<br \/>\nEs handelt sich quasi um eine Kompensationsleistung: Fr\u00fcher, als die Zitadelle noch ohne Eintritt besucht werden konnte, namen die Artensch\u00fctzer einen kleinen Obolus am Eingang des Fledermaushauses, damit sie davon Futter f\u00fcr die Tiere kaufen k\u00f6nnen. Seit kurzem kostet die Zitadelle jedoch Eintritt, und innerhalb der Festung will niemand ein zweites Mal bezahlen. Irgendwo musste aber Geld herkommen, wenn die gefl\u00fcgelten S\u00e4uger nicht hungern sollen. Also setzten sich BAT und Bezirksamt an einen Tisch, und so wurde die Idee des Katamarans geboren.<br \/>\nF\u00fcr gef\u00fchrte Touren entlang der Gr\u00e4ben der m\u00e4chtigen Zitadelle d\u00fcrfen die Artenschutz-Freunde n\u00e4mlich eine geringe Geb\u00fchr nehmen, und auch wenn das nicht die Kosten deckt oder die H\u00f6he der Eintrittsgelder erreicht, ist zumindest der Futterstrom f\u00fcr die Flederm\u00e4use vorerst wieder gesichert. 3,50 Euro kostet die zirka 45-min\u00fctige Rundfahrt f\u00fcr Erwachsene, erm\u00e4\u00dfigt werden zwei Euro f\u00e4llig. Der Katamaran f\u00e4hrt in der Saison (M\u00e4rz bis Oktober) samstags immer um 12.30, 13.30, 14.30 und 15.30 Uhr; sonntags dann um 11.30, 12.30, 13.30, 15 und 16 Uhr, in der Woche nach Anmeldung. J\u00f6rg Harder vom Berliner Artenschutz-Team k\u00fcndigte zudem Nachtfahrten an, um die Flederm\u00e4use \u00fcber dem Wasser beim Jagen zu beobachten. Dazu werden sie mit einem speziellen Rotlicht angestrahlt, dass die Tiere nicht irritiert, aber den Mitfahrern Gelegenheit gibt, die Mini-Vampire bei der Futterbeschaffung zu beobachten. Vermutlich sechs Euro wird die Teilnahme kosten, der 13 Personen fassende Katamaran kann aber auch f\u00fcr Feiern oder Betriebsausfl\u00fcge gebucht werden. Das alles soll dem Verein zugute kommen, auch Werbung an den Au\u00dfenseiten ist geplant.<br \/>\nEin fast unh\u00f6rbarer Elektromotor treibt das zwei Meter breite Gef\u00e4hrt an, das wie ein umz\u00e4untes Flo\u00df auf dem Wasser liegt. Damit kommt der Kapit\u00e4n sogar durch die engen Stellen im Festungsgraben, ein Tiefgang von nur 40 Zentimeter sorgt daf\u00fcr, dass das Boot jede Untiefe im zwischen drei Meter und 50 Zentimeter tiefen Graben sicher \u00fcbergleitet.<br \/>\nDurch geschicktes Umsetzen ist Gerhard Haukes politisches Gewicht mittlerweile neutralisiert, und J\u00f6rg Harder steuert sicher durch den Graben auf das Ravelin \u201eSchweinekopf\u201c zu. Dieser Vorposten der Festung vor dem Graben soll zum Naturlehrpfad umgebaut werden, Bezirksstadtrat Hanke erw\u00e4gt auch, hier ein offenes Klassenzimmer f\u00fcr die Spandauer Schulen einzurichten. Am Festungstor ist kein Durchlass: Es ist dauerhaft heruntergelassen, und z\u00f6ge man es hoch, so versperrte weiterhin ein Abwasserrohr den Weg. Der Kamataran muss kehrt machen und f\u00e4hrt die Zitadelle, deren beeindruckende Dimensionen vom Wasser aus erst richtig deutlich werden, von der anderen Seite an.<br \/>\nJ\u00f6rg Harder jedenfalls ist sichtlich zufrieden: Die Festungsgrabenrundfahrt zum Fledermauslehrpfad ist ganz in seinem Sinne, vereint sie doch touristische Nutzung mit Naturerlebnis und einem tieferen Verst\u00e4ndnis f\u00fcr seine zeitweise 10<\/p>\n<th>000 gefl\u00fcgelten Sch\u00fctzlinge, w\u00e4hrend die Schippergeb\u00fchr dem Futterhaushalt zugute kommt. Bei soviel Freude nimmt er es auch gern in Kauf, dass beim Unterzeichnen der Nutzungserkl\u00e4rung zwischen dem Bootsinhaber Bezirksamt und dem Nutzer BAT der Kugelschreiber mehrfach vom Tisch rollt: Das politische Gewicht Gerhard Hankes hat trotzdem Nutzen gebracht..<\/p>\n<p><em>Erschienen am 15.07.2008<\/em><\/th>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Spandaus Artensch\u00fctzer und das Bezirksamt sorgen mit Kreativit\u00e4t f\u00fcr satte Flederm\u00e4use Spandaus Flederm\u00e4use lebten bislang von Eintrittsgeldern. Als die weggefielen, drohte Hunger. Doch findige Menschen hatten eine Idee: Jetzt leben die Flederm\u00e4use von gef\u00fchrten Bootstouren. Als der Katamaran zuviel Schlagseite bekommt, begann Gerhard Hanke, \u00f6ffentlich an seinem Di\u00e4terfolg zu zweifeln. 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