{"id":4493,"date":"2012-11-24T00:01:36","date_gmt":"2012-11-23T22:01:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4493"},"modified":"2014-11-20T16:40:30","modified_gmt":"2014-11-20T14:40:30","slug":"das-war-die-woche-angeschnitten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4493","title":{"rendered":"DAS WAR DIE WOCHE: Angeschnitten"},"content":{"rendered":"<p>Sie stand im Zeichen des Advents, der noch gar nicht begonnen hatte, diese Woche; im Zeichen eines Weihnachtsmarktes, der nach der \u00fcberwiegenden Meinung (auch der nichtreligi\u00f6sen) Potsdamer noch nicht h\u00e4tte \u00f6ffnen sollen. Das verhinderte aber nicht, dass es bei der Er\u00f6ffnung auf dem Luisenplatz allerlei Munteres zu entdecken gab, denn erstmals \u00fcbernahm Baudezernent Matthias Klipp den traditionellen Stollenanschnitt. <\/p>\n<p>Man merkte Klipp an, dass seine mittlerweile drei Jahre in einer Stadt unter Haushaltssicherungskonzept und seine regelm\u00e4\u00dfigen Auseinandersetzungen mit dem K\u00e4mmerer um ein bisschen mehr vom Kuchen nicht ohne Folgen geblieben sind: W\u00e4hrend der Stollenb\u00e4cker daumendicke St\u00fccke vom Adventsgeb\u00e4ck s\u00e4belte, schnitt Klipp hauchd\u00fcnne Scheibchen und provozierte damit unter den Anstehenden den Kommentar: \u201eWilly, wir jehn in die andere Schlange. Der vonne Stadt ist knickrich\u201c. Dabei wollte Klipp nur, dass m\u00f6glichst viele in den Genuss des Geb\u00e4cks kommen. Doch dass nur Undank seiner M\u00fchen Lohn sei, ist ja eine gern gef\u00fchrte Klage des Dezernenten. <\/p>\n<p>Um so freigiebiger zeigte sich der Baubeigeordnete daf\u00fcr mit etwas anderem: Obwohl sicht- und h\u00f6rbar erk\u00e4ltet, schnitt Klipp mit blo\u00dfen H\u00e4nden und verteilte auch aus denselben, wo der B\u00e4cker stets eine Serviette zwischen sich und den Stollen brachte. Der Modebegriff \u201eVirales Marketing\u201c bekam so eine v\u00f6llig neue Bedeutung. Ob damit auch Klipps in letzter Zeit umstrittene stadt- und verkehrsplanerische \u00dcberzeugungen auf die B\u00fcrger \u00fcbergingen, wird sich noch erweisen m\u00fcssen. <\/p>\n<p>Zuvor hatte sich der Dezernent noch \u00f6ffentlich gefreut, endlich mal wieder etwas entscheiden zu d\u00fcrfen, n\u00e4mlich, wer Stollen bekommt und wer nicht. Nach Monaten, in denen die Politik so manchen Klippschen Plan (Staudenhof-Erhalt, keine Alte Post) zunichte gemacht hatte, hoffte der Mann offenkundig auf etwas Mitleid. Die bedauernden \u201eOochs\u201c blieben aber aus \u2013 oder sie gingen im \u201eHalleluja\u201c des Bl\u00e4serquartetts schlicht unter. <\/p>\n<p>als Klipp vor dem Anschnitt an der Fu\u00dfg\u00e4ngerampel am Luisenplatz warten musste, zeichnete sich eine letzte Chance zur L\u00f6sung der umstrittenen fr\u00fchen Markt\u00f6ffnung ab: die Klippsche Pf\u00f6rtnerampel, f\u00fcr die ihn insbesondere Pendler und Umlandgemeinden ziemlich lieb haben. Klipp h\u00e4tte den Konflikt schlicht l\u00f6sen k\u00f6nnen, indem er die Ampel bis nach Totensonntag einfach auf \u201erot\u201c gestellt und den Stau am Markteingang erst am Montag aufgel\u00f6st h\u00e4tte. Tat er aber nicht. <\/p>\n<p>Derweil ist Potsdam nicht die einzige Stadt, der eine \u00f6ffentliche Debatte um ihren Weihnachtsmarkt letztlich soviel Aufmerksamkeit bescherte, dass es am Ende voller war als in den Vorjahren. In Dresden ist der zentrale Weihnachtsbaum so h\u00e4sslich, dass die lokalen Medien schon von der \u201eSchandfichte\u201c sprechen, die die Stadt weltweit blamieren w\u00fcrde. Daraufhin kommen nun Tausende, um den \u201em\u00fcden, schlappen, h\u00e4sslichen Baum\u201c mit eigenen Augen zu erblicken. Vielleicht eine Idee f\u00fcrs n\u00e4chste Jahr. Auch wenn es nur abgekupfert w\u00e4re, h\u00e4tte es doch den Charme, dass es der Kirche schnurz ist. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sie stand im Zeichen des Advents, der noch gar nicht begonnen hatte, diese Woche; im Zeichen eines Weihnachtsmarktes, der nach der \u00fcberwiegenden Meinung (auch der nichtreligi\u00f6sen) Potsdamer noch nicht h\u00e4tte \u00f6ffnen sollen. 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