{"id":4509,"date":"2012-09-22T00:01:54","date_gmt":"2012-09-21T22:01:54","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4509"},"modified":"2014-11-20T19:37:50","modified_gmt":"2014-11-20T17:37:50","slug":"das-war-die-woche-mit-der-keule","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4509","title":{"rendered":"DAS WAR DIE WOCHE: Mit der Keule"},"content":{"rendered":"<p>Wenn es stimmt, was Platon sagt, dass das Staunen der Anfang aller Philosophie ist, dann war dies eine gute Woche f\u00fcr Philosophen. Nehmen wir die einzige Ausnahme gleich vorweg: Staunen lie\u00df sich hier nicht \u00fcber die Nachricht, dass in Deutschland die zehn Prozent der Reichsten 50 Prozent des Geldes besitzen und die 50 Prozent der \u00c4rmsten gerade mal ein Prozent \u2013 das wei\u00df jedes Potsdamer l\u00e4ngst, denn in seiner Stadt ist es freundlicherweise so eingerichtet, dass die zehn Prozent mit dem Geld die Seeufer bev\u00f6lkern und die 50 Prozent ohne die Plattenbauten. Das erspart den Armutsforschern eine Menge Laufarbeit. Nur ganz repr\u00e4sentativ ist Potsdam nicht, denn dank emsigen Drehens an der Mietenschraube, das (fast) alle Parteien indirekt mitmachen, d\u00fcrfte die Stadt bald deutlich mehr Reiche als der Bundesdurchschnitt aufweisen und die Geringverdiener in die Peripherie verdr\u00e4ngt haben. Da gibt\u2019s dann Seeufer immerhin mal kostenlos und ohne Zaun zu bestaunen. <\/p>\n<p>Staunen mussten indes die Potsdamer Geoforscher, die aus der Presse erfuhren, dass ihnen der Landtag gro\u00dfz\u00fcgig und kostenfrei sein marodes Domizil \u00fcberlassen will, sobald er vom Berg in die schicke Mitte herabsteigt. Bl\u00f6d nur, dass die Geoforscher sich mit instabiler (Archi-)Tektonik auskennen und deshalb merken, wenn man ihnen spr\u00f6de Gesteinsschichten andrehen m\u00f6chte. Sie ziehen lieber neben das Geb\u00e4ude und messen die Ersch\u00fctterung, sobald die Decke herunterkommt. Das Land h\u00e4tte es ahnen k\u00f6nnen: Schon Einstein warnte, Wissenschaftler seien st\u00e4ndig auf der Flucht vor dem Staunen. <\/p>\n<p>Was wiederum alle Nicht-Kunsthistoriker diese Woche in Erstaunen versetzte, war die Restaurierung eines Puttos namens \u201eHerkules-Amor\u201c im Foerstergarten. Der Bud Spencer der griechischen Mythologie und der knabenhafte r\u00f6mische Liebesgott in einer Person, das scheint so \u00fcberraschend und unpassend wie das Lob der NPD f\u00fcr die Gewerkschaft der Polizei, das diese Woche ebenfalls zu bestaunen war. In Potsdam, so lernen wir staunend, zieht der Liebesgott mit der Keule los. Das wiederum erkl\u00e4rt, warum die hiesige Linke trotz Dauerangriff auf den SPD-Oberb\u00fcrgermeister noch von einer rot-roten Stadtkoalition tr\u00e4umt. Hier werden Waffen halt nicht mit sanfter Hand gef\u00fchrt, um Zuneigung zu signalisieren. <\/p>\n<p>So betrachtet, war die Deo-Attacke mit einer chemischen Keule der Marke \u201eAxe\u201c auf eine Aldi-Kassiererin, die diese Woche vor Gericht verhandelt wurde, wohl auch nur eine verdeckte Liebeserkl\u00e4rung. Ob die Liebe allerdings der zwangsparf\u00fcrmierten Dame oder dem Kasseninhalt galt, muss offen bleiben. Schlie\u00dflich warb das Deo einst mit dem Slogan: \u201eDer Duft, der Frauen provoziert\u201c. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 22.09.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn es stimmt, was Platon sagt, dass das Staunen der Anfang aller Philosophie ist, dann war dies eine gute Woche f\u00fcr Philosophen. 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