{"id":4517,"date":"2012-09-14T00:01:06","date_gmt":"2012-09-13T23:01:06","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4517"},"modified":"2014-11-21T17:04:12","modified_gmt":"2014-11-21T16:04:12","slug":"nachschlag-der-guten-wuerze-zu-viel","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4517","title":{"rendered":"NACHSCHLAG: Der guten W\u00fcrze zu viel"},"content":{"rendered":"<p><strong>Das \u201eCaf\u00e9 Heider\u201c nennt sich zu Recht das Wohnzimmer der Stadt: Gem\u00fctlich, freundlich, kleine Macken<\/strong><\/p>\n<p><em>Ob Spitzenrestaurant, Caf\u00e9, Kneipe, Ausflugslokal oder D\u00f6ner \u2013 Mitarbeiter des Potsdamer Stadt- und Landkuriers sind als anonyme Tester unterwegs.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p>Den Potsdamern das Caf\u00e9 Heider zu erkl\u00e4ren, das ist ein bisschen, als zeige man ihnen, wo der Park Sanssouci liegt. Wir wagen es dennoch, schlie\u00dflich bezeichnet sich das Restaurant und Caf\u00e9haus als \u201eWohnzimmer der Stadt\u201c \u2013 und \u00fcber fremde Wohnzimmer redet man gern. Es ist wochentags, der letzte Sommernachmittag, kurz nach 14 Uhr, das Caf\u00e9 Heider ist halbvoll, daf\u00fcr gibt\u2019s drau\u00dfen keinen freien Platz mehr \u2013 alles genie\u00dft die letzten Sonnenstrahlen. Also rein, neben der T\u00fcr zum Platz ist ein Tischchen frei, vier Kellner bespielen Haus und Platz und haben enorm zu tun, bleiben aber freundlich \u2013 untereinander und zum Gast. Einem redebed\u00fcrftigen Rentnerpaar zuliebe bleibt die h\u00fcbsche Kellnerin (das hat Tradition im Heider, hier hat sogar Wolfgang Joop Franziska Knuppe entdeckt) sogar nach dem Zahlen noch zu einem Mini-Schwatz stehen, obgleich von drau\u00dfen jemand wenig galant ihre Aufmerksamkeit fordert: \u201eKommt ooch eena raus oda watt?\u201c Sie enteilt.<br \/>\nDie Karte ist lang und zeigt, warum Caf\u00e9 Heider auf dem ersten Wort betont wird: Mehrere Seiten voller Tees, Kaffeespezialit\u00e4ten, hei\u00dfen Schokoladen, dazu ein umfangreiches Fr\u00fchst\u00fccksangebot \u2013 und zwei Seiten mit Essen, darunter Caf\u00e9haustypisches wie Wiener Schnitzel mit lauwarmem Kartoffelsalat, aber auch Suppen und Snacks f\u00fcr den kleinen Hunger. Den Mittagsgast zwischen 11.30 Uhr und 14 Uhr erwartet ein wechselndes Gericht f\u00fcr 6,90 Euro \u2013 in dieser Woche von H\u00e4hnchencurry \u00fcber K\u00f6nigsberger Klopse und Currywurst bist Pasta \u2013 und ein w\u00f6chentlich wechselndes Gericht von der Hauptkarte, das um 15 Prozent g\u00fcnstiger und mit einem Kaffee zum Nachsp\u00fclen angeboten wird.<br \/>\nDaf\u00fcr ist es aber etwas zu sp\u00e4t, daher greifen wir in die Vollen \u2013 hei\u00dft: zum teuersten Gericht \u2013 und ordern das Rumpsteak nebst quark\u00fcbergossener Ofenkartoffel und Salatbeilage (17,50 Euro), dazu \u2013 es ist ja noch Mittag \u2013 eine gro\u00dfe Fassbrause (3,40 Euro), obschon die kleine, aber hervorragende Weinauswahl lockt. Obwohl die Kellner viel zu tun haben, kommen sie schnell und bleiben auch beim Tester ausnehmend freundlich. Ebensoschnell kommt das Essen \u2013 nicht so schnell, dass wir die Mikrowelle im Verdacht haben, hier unterst\u00fctzend eingegriffen zu haben, aber auch nicht so sp\u00e4t, wie wir angesichts des touristengefluteten \u201eHeider\u201c bef\u00fcrchteten.<br \/>\nDie Backkartoffel ist riesig und anfangs noch hei\u00df, was nat\u00fcrgem\u00e4\u00df wegen des Quarks schnell nachl\u00e4sst. Das Rumpsteak l\u00e4sst nicht auf \u00fcberzogenen Sparwillen schlie\u00dfen, wurde aber seines kleinen Fettrandes beraubt, eine Unsitte, die angesichts des Trends zur gesunden K\u00fcche zwar zunehmend um sich greift, das Rumpsteak aber streng genommen zu einem teureren H\u00fcftsteak degradiert, denn der kleine Fettrand im ansonsten mageren Fleisch ist eigentlich Teil der Definition. Caf\u00e9haustypisch werden keine gro\u00dfen Locken auf dem Teller gedreht, das Auge freut sich aber \u00fcber die dicke Schicht aus Pfeffer, Salz und Gew\u00fcrzen, die das Steak auf dessen gesamter L\u00e4nge bedeckt. Die Zunge nicht. Es ist einfach zuviel. Zu salzig, zu pfeffrig, zu w\u00fcrzig. Nach dem ersten Bissen gebrauchen wir das Messer daher als Schabehilfe, und ein Berg Gew\u00fcrze h\u00e4uft sich neben das Steak. Das war \u00fcbrigens \u201emedium\u201c gebraten bestellt, kommt aber durchgebraten an. Nur in der absoluten Mitte h\u00e4lt sich trotzig ein Minikern rosafarbenen Fleisches. Schade. Zum Abschluss darf\u2019s noch ein doppelter Espresso (3,40 Euro) sein, um die Arbeitsf\u00e4higkeit wieder herzustellen. Der ist wie erwartet klein, stark, schwarz und lecker. Am dazu gereichten Wasserglas indes klebt ein schokoladiger Fingerabdruck. Besser k\u00f6nnte man den Besuch nicht zusammenfassen: Kleine M\u00e4ngel, aber gem\u00fctlich, freundlich, zentral gelegen, kurzum: ein typisches Wohnzimmer. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 14.09.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das \u201eCaf\u00e9 Heider\u201c nennt sich zu Recht das Wohnzimmer der Stadt: Gem\u00fctlich, freundlich, kleine Macken Ob Spitzenrestaurant, Caf\u00e9, Kneipe, Ausflugslokal oder D\u00f6ner \u2013 Mitarbeiter des Potsdamer Stadt- und Landkuriers sind als anonyme Tester unterwegs. Den Potsdamern das Caf\u00e9 Heider zu erkl\u00e4ren, das ist ein bisschen, als zeige man ihnen, wo der Park Sanssouci liegt. Wir [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[26,3,11,33,29,31,27],"tags":[],"class_list":["post-4517","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kritikrezension","category-maz","category-pdm","category-stilform","category-toho","category-publishedin","category-rating"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2HHro-1aR","jetpack_likes_enabled":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4517","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4517"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4517\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4518,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4517\/revisions\/4518"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4517"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4517"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4517"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}