{"id":4529,"date":"2012-07-02T00:01:33","date_gmt":"2012-07-01T23:01:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4529"},"modified":"2014-11-21T17:59:50","modified_gmt":"2014-11-21T16:59:50","slug":"nachschlag-nostalgie-vom-drehgrill","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4529","title":{"rendered":"NACHSCHLAG: Nostalgie vom Drehgrill"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die \u201eGlobus Grillbar\u201c hat zwar den falschen Namen, aber noch das richtige Flair \u2013 und die besten H\u00fchnchen<\/strong><\/p>\n<p><em>Ob Spitzenrestaurant, Caf\u00e9, Kneipe, Ausflugslokal oder D\u00f6ner \u2013 Mitarbeiter des Potsdamer Stadt- und Landkuriers sind als anonyme Tester unterwegs. <\/em><\/p>\n<p>\u00dcber der T\u00fcr steht \u201eGlobus Grillbar\u201c. Wer diesen Namen benutzt, hat sich allerdings sofort entweder als Zugezogener oder als Unter-30-J\u00e4hriger geoutet. Alle anderen nennen die kleine Einrichtung Am Kanal n\u00e4mlich beharrlich weiter \u201eGoldbroiler\u201c, wie sie bis zur Wende hie\u00df. Man k\u00f6nnte sie auch \u201eAquarium\u201c nennen, denn durch die riesigen Fenster zur Stra\u00dfe hat man nicht nur einen sch\u00f6nen Blick hinaus, sondern auch hinein.<br \/>\nDrinnen ist es spartanisch, aber modern eingerichtet; den Raum dominiert eine gro\u00dfe, verspiegelte Bar, hinter der die Broiler brutzeln. Der klassische Drehgrill, der es gestattete, dem eigenen Mittagsmahl bei der Vergoldung zuzusehen, fehlt leider. Dank warmer Beleuchtung und ein paar Pflanzen wirken die runden Resopaltischchen mit je zwei St\u00fchlen dran nicht ganz so karg. Es ist Mittagszeit, die Tische sind gut besetzt: Angestellte der umliegenden L\u00e4den und Kanzleien, FH-Studenten, Touristen und Rentner auf Einkaufstour dominieren. Ein P\u00e4rchen mit h\u00f6rbar s\u00e4chsischer Herkunft kommt herein, schaut sich um und er sagt zu ihr: \u201eGugg ma, fast wie fr\u00fcher\u201c.<br \/>\nDie laminierte Speisekarte ist quietschbunt, aber \u00fcbersichtlich. Der Broiler hei\u00dft touri-kompatibel jetzt Viertel- oder halbes H\u00e4hnchen und kostet pur zwei respektive drei Euro, mit Br\u00f6tchen 25 Cent mehr, mit Pommes einen Euro plus. Wer Majo oder Ketchup m\u00f6chte, legt nochmal 25 Cent drauf und ist trotzdem preiswert satt geworden. F\u00fcr den weltgewandten Gast gibt\u2019s auch noch H\u00e4hnchen Cordon Bleu (8,40 Euro) und Thaihuhn in Kokosso\u00dfe mit Reis (5,80), f\u00fcr Gefl\u00fcgelverweigerer Beefsteak mit R\u00f6stzwiebeln (6,80) und f\u00fcr das komplette Ostalgie-Gef\u00fchl ein Ragout fin vorweg (4 Euro), nat\u00fcrlich in der DDR-Variante mit Huhn statt Kalb. Wir entscheiden uns f\u00fcr den halben \u201eGummiadler\u201c nebst Pommes (die in den 1980ern auch im Goldbroiler angebotenen Pommes waren legend\u00e4r!) und einer T\u00fcte Majo, dazu darfs eine Cola sein, die aber aus dem \u201eimperialistischen Ausland\u201c kommt. Vita- oder Club-Cola aus dem Osten gibt\u2019s nicht. Daf\u00fcr sind die Teller \u201eMade in GdR\u201c, Marke \u201eInglasur Colditz\u201c. Herrlich. Trotz Imbiss-Preisen wird man im Grill bedient von einer netten Dame mit leicht osteurop\u00e4ischem Akzent. Nur die Dederon-Sch\u00fcrze fehlt. Der Broiler ist schlicht fantastisch. Sch\u00f6n hei\u00df, sch\u00f6n frisch, saftig die Keule, faserig der Fl\u00fcgel, mit Curry und Paprika gew\u00fcrzt, eine K\u00f6stlichkeit, wie sie in der ber\u00fchmten Neptun-Bar Rostock nicht besser zu bekommen gewesen w\u00e4re. Auch die Pommes pr\u00e4sentieren sich ohne Fehl und Tadel, schon leicht abgek\u00fchlt zwar, aber reichlich viele, gro\u00df und kaum fettig. Die Gem\u00fcsegarnitur allerdings erf\u00fcllt nur Dekorations- und Alibizwecke. Die paar Gurkenstiftel und das Sechzehntel einer Tomatenscheibe, gekr\u00f6nt von einem im Sterben liegenden Petersilieblatt, passen zusammen auf eine Gabel.<br \/>\nNach dieser Riesenportion stellt sich eine fast schon sozialistische Arbeitsmoral ein. Abhilfe verspricht entweder die Abteilung heimisch-hochprozentig (Wilthener Goldkrone, Nordh\u00e4user Doppelkorn oder Wodka Gorbatschow, alles 1,30 Euro) oder modern-aufputschend (Espresso, Cappuccino, Latte Macchiato 1,50\u20132,50 Euro). Da es noch Mittag ist, entscheiden wir uns f\u00fcr Letzteres und sind erfreut, frisch Gebr\u00fchtes aus frisch gemahlenen Bohnen zu bekommen mit einer tollen, nussigen Crema. Wir sch\u00e4men uns einen Moment, dass wir insgeheim Muckefuck oder gefriergetrockneten Cappucino aus der T\u00fcte, mit kochendem Wasser aufgequollen, bef\u00fcrchtet hatten. Mit dem Koffein flutet ein kindliches Nostalgie- und Wohlgef\u00fchl den K\u00f6rper und w\u00e4rmt nicht nur den Bauch, sondern auch die Seele. Das gibt es in der Global Grillbar kostenlos obendrauf. Wer\u2019s erleben m\u00f6chte oder einfach gute Grillh\u00e4hnchen mag, sollte mal reinschauen. F\u00fcr Tage mit \u201eWestbesuch\u201c gibt\u2019s andere Lokale. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 02.07.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die \u201eGlobus Grillbar\u201c hat zwar den falschen Namen, aber noch das richtige Flair \u2013 und die besten H\u00fchnchen Ob Spitzenrestaurant, Caf\u00e9, Kneipe, Ausflugslokal oder D\u00f6ner \u2013 Mitarbeiter des Potsdamer Stadt- und Landkuriers sind als anonyme Tester unterwegs. \u00dcber der T\u00fcr steht \u201eGlobus Grillbar\u201c. 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