{"id":4535,"date":"2012-05-14T00:01:16","date_gmt":"2012-05-13T23:01:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4535"},"modified":"2014-11-21T18:22:56","modified_gmt":"2014-11-21T17:22:56","slug":"viele-besucher-viele-fragen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4535","title":{"rendered":"Viele Besucher, viele Fragen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Der Andrang beim Tag der offenen Baustelle im Stadtschloss ebbte zu keiner Zeit ab<\/strong><\/p>\n<p><em>Schauen, Staunen, Fragen stellen: ein Rundgang mit einer schloss-skeptischen Besucherin.<\/em> <\/p>\n<p>W\u00e4hrend Martin Richter L\u00f6cher in den Sandstein schl\u00e4gt, fragt ihm Else Hoyer welche in den Bauch. Der Steinmetz der s\u00e4chsischen Sandsteinwerke befreit mit Beitel und Kn\u00fcpfel eine von 1000 Palmetten f\u00fcrs Stadtschloss aus dem Reinhardtsdorfer Sandstein, die 78-J\u00e4hrige Besucherin hingegen legt ihrer Neugier im Schlosshof keine Fesseln an. Wie lange er f\u00fcr eine Palmette brauche? Elf Stunden. Wieso er keine Schablone benutze? Weil er nach der 100. Palmette die Form fest im Kopf hat. Was passiert, wenn er mal zuviel abschl\u00e4gt? Dann gibt es \u201eMiddel und Wege\u201c, sagt Martin Richter mit seinem s\u00e4chsischen Akzent trocken. Ob er nicht eigentlich eine Schutzbrille tragen m\u00fcsse? M\u00fcsse er, und eine Gesichtsmaske, aber dies sei nun mal ein Tag der offenen T\u00fcr und er wolle allen Interessierten zeigen, wie die Palmetten entst\u00fcnden. Mit Maske lie\u00dfen sich nur schwer die ganzen Fragen beantworten.<br \/>\n\u201eAha\u201c sagt Else Hoyer und schaut, als leuchte ihr wenigstens diese Antwort unmittelbar ein. Sie ist resolut, und sie macht keinen Hehl daraus, dass sie vom Stadtschloss eigentlich wenig h\u00e4lt. Zwar ist sie vor 13 Jahren \u201enach der Verrentung\u201c wegen der Schl\u00f6sser und Parks aus Chemnitz nach Potsdam gezogen, aber den neuen Landtag im alten Gewand findet sie \u201eaffig\u201c. \u201eUnzeitgem\u00e4\u00df und affig\u201c, korrigiert sie. Zum Tag der offenen T\u00fcr kam sie trotzdem, wie auch 21 500 andere Besucher. Um ihre Vorurteile zu pr\u00fcfen, wie sie sagt. Und um Experten zu l\u00f6chern.<br \/>\nIhr n\u00e4chstes Opfer ist Sandro Hilmes, beim Baukonzern BAM f\u00fcrs Kupferdach zust\u00e4ndig. Wie weit das Dach denn nun sei? Im Moment arbeite man am S\u00fcdfl\u00fcgel, etwa ein Drittel des Daches sei bereits gedeckt. Dann werde man sich auf beiden Seitenfl\u00fcgeln vom Norden nach S\u00fcden durchdecken. Wann das denn fertig sei? Bis Oktober, sagt Hilmes, und das m\u00fcsse es auch, weil Kupfer bei K\u00e4lte nicht verlegt werden k\u00f6nne. Was man denn gegen diese Buntmetalldiebe tue? Hilmes l\u00e4chelt. \u201eWir haben Tag und Nacht gutes Wachpersonal.\u201c \u201eUnd wenn der Bau fertig ist? Kann ein frecher Dieb das dann nicht vom Dach rei\u00dfen?\u201c, l\u00e4sst Else Hoyer nicht locker. Hilmes l\u00e4chelt breiter und ein wenig angestrengt und sagt: \u201eDas ist eher unwahrscheinlich. Fallrohre und Regenrinnen w\u00fcrden zudem hinter der Fassade verlegt, seien also unerreichbar. So mit Fakten versorgt, geht Else Hoyer zur Bewertung \u00fcber: Sie finde das Kupfer furchtbar protzig, das gl\u00e4nze wie Gold und sehe bei Sonne \u201enur gro\u00dfspurig\u201c aus. Hilmes kann beruhigen. Schon nach zwei Wochen sei der \u00e4rgste Glanz vor\u00fcber, die Patina brauche allerdings 30 Jahre.<br \/>\nSo geht es weiter. Im dichten Besucherstrom durchs Treppenhaus, dessen Ausblick auf Fortunaportal und Nikolaikirchenkuppel Else Hoyer um ein Haar mit dem Schloss vers\u00f6hnt h\u00e4tte, am Plenarsaal vorbei (\u201ebisschen mickrig f\u00fcr so ein Riesenschloss, finden Sie nicht?\u201c) durch den Ostfl\u00fcgel mit den k\u00fcnftigen B\u00fcros, wo Landtagsabgeordnete wie Dieter Dombrowski schon mit dem Zollstock Ma\u00df nehmen f\u00fcr die B\u00fcroeinrichtung. Die Fragefreudigkeit Else Hoyers ist unerm\u00fcdlich, doch auf seltsame Weise kreuzen nach gewisser Zeit kaum noch BAM-Mitarbeiter ihren Weg. Sie sind mit Funkger\u00e4ten untereinander verbunden. Else Hoyer fragt dann einfach andere Besucher oder stellt sich die Fragen selbst. Nach einer guten Stunde ist der Rundgang beendet. Else Hoyer hat nicht ihren Frieden mit dem Schloss gemacht, sagt sie. Aber sie wei\u00df jetzt eine Menge dr\u00fcber. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 14.05.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Andrang beim Tag der offenen Baustelle im Stadtschloss ebbte zu keiner Zeit ab Schauen, Staunen, Fragen stellen: ein Rundgang mit einer schloss-skeptischen Besucherin. W\u00e4hrend Martin Richter L\u00f6cher in den Sandstein schl\u00e4gt, fragt ihm Else Hoyer welche in den Bauch. 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