{"id":4551,"date":"2012-03-07T00:01:05","date_gmt":"2012-03-06T23:01:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4551"},"modified":"2014-11-21T19:13:55","modified_gmt":"2014-11-21T18:13:55","slug":"der-buchstabenbaecker","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4551","title":{"rendered":"Der Buchstabenb\u00e4cker"},"content":{"rendered":"<p><strong>Friedrich Althausen erfindet Schriften \/ Seine \u201eVollkorn\u201c hat im Internet bereits Karriere gemacht<\/strong><\/p>\n<p><em>Von der Erotik geschwungener Linien, der Tods\u00fcnde der Fettung und den Avancen einer Suchmaschine. <\/em><\/p>\n<p>Mit den Schriften, sagt Friedrich Althausen, sei es wie mit Frauen: auf die Kurven komme es an. Er sagt das ganz ernst, ohne zweideutiges L\u00e4cheln, und schw\u00e4rmt dann von der Faszination der Buchstaben, vom Kribbeln in den Fingern, wenn der Bogen an einem B besonders schwungvoll gelungen ist, wenn an der Serife des kleinen l, dem Rand am Buchstabenende, genug \u201eFleisch\u201c \u2013 genug Dicke \u2013 dran ist, wenn beim Betrachten einer Buchseite der \u201eGrauwert\u201c, das Verh\u00e4ltnis von Schwarz und Wei\u00df, ausgewogen wirkt und sich Ober- und Unterl\u00e4ngen der einzelnen Lettern zu einem harmonischen Bild erg\u00e4nzen. \u201eWen dieses Feuer gefangen hat, der sehnt sich k\u00fcnftig danach\u201c, sagt Friedrich Althausen, und in dem sonst zwar engagiert, aber eher k\u00fchl wirkenden Gesicht zeichnet sich eine Leidenschaft ab.<br \/>\nDer 30-j\u00e4hrige Schriftgestalter hat auf Hermannswerder Abitur gemacht und ist dann nach Weimar gegangen, um an der Bauhaus-Universit\u00e4t Mediengestaltung und Visuelle Kommunikation zu studieren. Seit einem Jahr ist er zur\u00fcck in Potsdam und arbeitet als Typograf und Schriftgestalter. Schon im Studium begann Friedrich Althausen mit einer Schrift, die er \u201eVollkorn\u201c nannte \u2013 weil es sich um eine \u201eBrotschrift\u201c handelt. \u201eBrotschrift\u201c nennen Schriftsetzer eine Alltagsschrift f\u00fcr l\u00e4ngere Flie\u00dftexte. Da sich Althausens Schrift als zur\u00fcckhaltend und klassisch, aber eben auch kr\u00e4ftig, kernig und robust pr\u00e4sentierte, habe der Name Vollkorn nahegelegen, trotz der schlechten internationalen Vermarktbarkeit, sagt er. Althausen stellte die Schrift ins Internet und erlaubte jedem die kostenlose Nutzung. Unter Schriftfreunden erfreute sich die Vollkorn schnell einiger Beliebtheit, viele forderten auch eine fette und eine kursive Version \u2013 einen \u201eSchnitt\u201c \u2013 der Schrift. Unter Buchstabengourmets gilt die rein digitale Schr\u00e4gstellung oder Fettung einer Grundschrift n\u00e4mlich als Tods\u00fcnde, da dabei die Proportionen und Formen verloren gehen. Vor dieser Arbeit dr\u00fcckte sich Friedrich Althausen zun\u00e4chst \u2013 eine Schrift zu schaffen und zu perfektionieren, kann Jahre dauern \u2013, bis eines Tages eine E-Mail vom Internetriesen Google in seinem Postfach landete, die er fast als Werbem\u00fcll aussortiert h\u00e4tte. Dort bot ihm ein Google-Mitarbeiter an, die Schrift in eine neue Schriftendatenbank des Unternehmens zu stellen, die auch jedem Nutzer kostenlos offen steht. Da sich Google aber mit Vollkorn schm\u00fccken wollte, zahlte das Unternehmen ihm 1000 Dollar f\u00fcr jeden Schnitt, wenn er noch die anderen Schnitte kursiv, fett und fett-kursiv dazuerf\u00e4nde. In einem dreimonatigen Gewaltakt war das vollbracht, und auch die schon vorher begeisterten Vollkorn-Freunde freuten sich \u00fcber den Zuwachs. \u201eIch mag, wie edel die Kursive daherkommt, und ich mag, wie selbstbewusst die Fettschrift sich breit macht\u201c, schw\u00e4rmt Stefan Niggemeier, Medienjournalist und viel gelesener Internetblogger von der Vollkorn, die er f\u00fcr die Renovierung seiner Internetseite nutzte: \u201eMarkant, aber unaufdringlich; gediegen, aber kein bisschen maniriert\u201c. Ein bisschen hat er damit auch Friedrich Althausen beschrieben, der zwar stolz auf den Erfolg der Vollkorn ist, mit seinen Schriften aber gern sein Brot verdienen w\u00fcrde. Bislang f\u00fcllt er sein Konto haupts\u00e4chlich mit der Gestaltung und Illustration von B\u00fcchern und Plakaten. Eine neue, diesmal kommerzielle Schrift ist aber schon in Arbeit \u2013 sie basiert auf alten Drucken der DDR-Kinderbuchreihe \u201eKnabes Jugendb\u00fccher\u201c, die Althausen im Zuge seiner Diplomarbeit neu auflegte.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 07.03.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Friedrich Althausen erfindet Schriften \/ Seine \u201eVollkorn\u201c hat im Internet bereits Karriere gemacht Von der Erotik geschwungener Linien, der Tods\u00fcnde der Fettung und den Avancen einer Suchmaschine. Mit den Schriften, sagt Friedrich Althausen, sei es wie mit Frauen: auf die Kurven komme es an. 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