{"id":4553,"date":"2012-03-01T00:01:07","date_gmt":"2012-02-29T23:01:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4553"},"modified":"2014-11-21T19:15:56","modified_gmt":"2014-11-21T18:15:56","slug":"knapp-7-gramm","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4553","title":{"rendered":"Knapp 7 Gramm"},"content":{"rendered":"<p><strong>Geschichte Preu\u00dfenprinz verkauft prestigereichsten Diamanten aus dem Kronschatz<\/strong><\/p>\n<p><em>Um finanzielle Verpflichtungen zu erf\u00fcllen, l\u00e4sst das aktuelle Oberhaupt der Hohenzollern-Familie einen Edelstein versteigern, der wie kaum ein zweiter die europ\u00e4ische Adelsgeschichte dokumentiert. <\/em><\/p>\n<p>POTSDAM\/GENF Es sind nicht einmal sieben Gramm, doch obgleich lupenrein, haben sie es in sich: Mehr als 400 Jahre europ\u00e4ischer Geschichte stecken im \u201eBeau Sancy\u201c, einem Diamanten aus dem preu\u00dfischen Kronschatz, der am 15. Mai in Genf zur Auktion kommt. Friedrich I., der die K\u00f6nigsw\u00fcrde nach Preu\u00dfen holte, lie\u00df den fast 35 Karat schweren Edelstein, der schon damals ber\u00fchmt und daher prestigetr\u00e4chtig war, in die K\u00f6nigskrone einarbeiten. Sein Enkel Friedrich II. schenkte den Stein seiner Gattin, und seither trugen alle preu\u00dfischen \u201eFirst Ladys\u201c den im Doppel-Rosenschliff gehaltenen gr\u00f6\u00dften Edelstein des Hauses Preu\u00dfen (zirka 23 mal 20 mal 11 Millimeter) bei ihrer Hochzeit und anderen hohen Anl\u00e4ssen. Es darf daher vermutet werden, dass Georg Friedrich Prinz von Preu\u00dfen, der im August in Potsdam geheiratet hat, die Entscheidung zum Verkauf dieses wertvollen Familienerbst\u00fcckes nicht leicht gefallen ist. Die Familie habe viele Renten und sonstige finanzielle Verpflichtungen zu erf\u00fcllen, die den Verkauf erforderlich machten, hie\u00df es dazu knapp von einer Sprecherin. Zuletzt getragen wurde der Diamant nach Kenntnis des Hauses bei der Hochzeit des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II. von dessen Gattin Auguste Viktoria. Als Wilhelm II. 1918 ins Exil floh, blieben die Kronjuwelen in Berlin. Im zweiten Weltkrieg wurden sie in eine zugemauerte Krypta in B\u00fcckeburg gebracht, wo sie britische Truppen fanden und dem Haus Preu\u00dfen schlie\u00dflich zur\u00fcckgaben.<br \/>\nAuf rund 1,5 bis drei Millionen Euro Wert sch\u00e4tzen die Gutachter des Auktionshauses Sotheby\u2019s den Stein, der aus den ber\u00fchmten indischen Minen nahe der Stadt Golconda stammen soll, aus denen die weltweit bekanntesten Diamanten stammen, auch der \u201egro\u00dfe Bruder\u201c des \u201eBeau Sancy\u201c, der \u201eGrand Sancy\u201c, mit rund 55 Karat (elf Gramm) deutlich schwerer.<br \/>\nDoch auch bevor der Stein in preu\u00dfische H\u00e4nde fiel, hatte er schon eine bewegte Geschichte hinter sich. Erworben vom \u201eLord von Sancy\u201c in Konstantinopel im Jahr 1500, kaufte ihn 1604 der franz\u00f6sische K\u00f6nig Heinrich IV. auf Dr\u00e4ngen seiner Gattin Maria de Medici, die um so nachdr\u00fccklicher bat, als sie erfuhr, dass der gro\u00dfe \u201eSancy\u201c an die englische Krone verkauft war. Als Heinrich IV. 1610 ermordert wurde und seien Frau vor\u00fcbergehend den Thron bestieg, lie\u00df sie den Stein in ihre Krone einarbeiten. Maria musste 1631 in die Niederlande fliehen und verkaufte den Beau Sancy an das Haus Oranien-Nassau (Niederlande) f\u00fcr 80 000 Gulden \u2013 damals die h\u00f6chste Ausgabe im Staatshaushalt des gesamten Jahres. So ging es weiter: Durch die Hochzeit eines Nassauischen K\u00f6nigs mit Maria Stuart gelangte der Stein nach Schottland, sp\u00e4ter an den Thron von England und fiel schlie\u00dflich wegen Kinderlosigkeit wieder an Oranien-Nassau zur\u00fcck. 1702 \u00fcbernahm der Preu\u00dfe Friedrich I. das Verm\u00e4chtnis des Hauses von Oranien und gelangte so in den Besitz des prestigereichen Diamanten, der perfekt zur soeben errungenen K\u00f6nigsw\u00fcrde passte. Dort blieb der Stein fast 300 Jahre. Georg Friedrich \u2013 auch er ist noch ein Prinz von Oranien \u2013 verkauft also nicht nur ein Prestigeobjekt der Familienhistorie, sondern auch ein St\u00fcck europ\u00e4ischer Geschichte.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 01.03.2012<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Geschichte Preu\u00dfenprinz verkauft prestigereichsten Diamanten aus dem Kronschatz Um finanzielle Verpflichtungen zu erf\u00fcllen, l\u00e4sst das aktuelle Oberhaupt der Hohenzollern-Familie einen Edelstein versteigern, der wie kaum ein zweiter die europ\u00e4ische Adelsgeschichte dokumentiert. 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