{"id":4574,"date":"2011-11-25T00:01:42","date_gmt":"2011-11-24T23:01:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4574"},"modified":"2014-11-24T15:11:18","modified_gmt":"2014-11-24T14:11:18","slug":"neuer-landtag-als-oeko-schloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4574","title":{"rendered":"Neuer Landtag als \u00d6ko-Schloss"},"content":{"rendered":"<p><strong>Architekt Peter Kulka \u00fcber die Kritiken der Knobelsdorff-Freunde und die Passivit\u00e4t der Stadt<\/strong><\/p>\n<p><em>Peter Kulka ist der Schlossarchitekt. Mit ihm sprachen Jan Bosschaart und Volkmar Klein \u00fcber Potsdamer Debatten und T\u00fcren.<\/em> <\/p>\n<p><strong>MAZ: Nach all dem Streit um Fenster, T\u00fcren, Dachneigungen und Kutschdurchfahrten \u2013 sind Sie froh, dass der Rohbau abgeschlossen ist? <\/strong><br \/>\n<strong>Peter Kulka: <\/strong><em>Ich bin vor allem stolz, stellvertretend f\u00fcr die Bauleute. Es ist Halbzeit bei einem schwierigen Projekt. Modernisten w\u00fcrden jetzt aufh\u00f6ren, wir aber bauen das Geb\u00e4ude zweimal, weil jetzt die Knobelsdorff-Fassade vor den Beton kommt. Sie macht den Landtag zum sch\u00f6nen \u00d6ko-Haus, das war beim Dresdner nicht m\u00f6glich. <\/em><\/p>\n<p><strong>Sehr diplomatisch. Aber haben Sie diesen Grad an \u00f6ffentlichem Interesse, auch an Einmischung schon erlebt? <\/strong><br \/>\n<strong>Kulka:<\/strong> <em>Wir machen das Beste aus der Schizophrenie: au\u00dfen historisch, innen modern mit h\u00f6chsten Anforderungen an Sicherheits- und Energiestandards. Die Kritiker haben \u00fcber einen halben Zentimeter Fenstersprossen diskutiert, aber wenn die Skater auf die Rampe am Plenarsaal fahren und sich die Nasen an den Scheiben plattdr\u00fccken k\u00f6nnen, muss man an die Sicherheit der Abgeordneten denken. Wir verbauen hier gigantisch dickes und schweres Glas. Mit dem isolierten Blick auf die Fassade ist die Gesamtaufgabe nicht zu meistern. Hier sind Laien \u00fcberfordert. F\u00fcr die zweite Halbzeit w\u00fcnsche ich mir daher mehr Vertrauen einiger B\u00fcrger, dass wir hier die Richtigen sind.<\/em> <\/p>\n<p><strong>Die Laien halfen immerhin, das Kupferdach zu erstreiten. <\/strong><br \/>\n<strong>Kulka:<\/strong> <em>Das ist richtig. Zink war eine L\u00f6sung, um das Projekt nicht zu gef\u00e4hrden und das Budget einzuhalten. Mir wurde berichtet, dass das Schloss in knappen Zeiten mit Zink gedeckt war. Ich konnte mir kein Geld f\u00fcr Kupfer drucken, doch dann kam zum Gl\u00fcck Herr Plattner.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Da waren auch Sie froh?<br \/>\nKulka:<\/strong> <em>Ja, und wir Bauleute haben nun die zus\u00e4tzliche Arbeit (lacht). Aber ich habe zum Gl\u00fcck dicke Nerven. <\/em><\/p>\n<p><strong>Die sind j\u00fcngst strapaziert worden, als der Potsdamer Architekt Bernd Redlich klagte, Sie hielten die historischen Dachneigungen nicht ein.<br \/>\nKulka: <\/strong><em>Das ist doch dummes Zeug. Wir bauen die Neigung, die Pro Denkmal aus Messdaten ermittelt hat. Es gibt immer Leute, die glauben nachweisen zu m\u00fcssen, dass die anderen alle Idioten sind. Herr Redlich t\u00e4te gut daran, sich um seine eigenen Bauvorhaben zu k\u00fcmmern. <\/em><\/p>\n<p><strong>Anders als im Bebauungsplan vorgeschrieben, wollten Sie Metallt\u00fcren im Nordfl\u00fcgel, nicht Holz wie im Original.<br \/>\nKulka: <\/strong>I<em>ch denke manchmal, ich bin im falschen Film mit diesem schwachsinnigen B-Plan. Als Meister von heute muss man doch moderneT\u00fcren verwenden d\u00fcrfen. Sie m\u00fcssen neue Anforderungen erf\u00fcllen. Holz ist zu schwer, wenn die Oma zum Abgeordneten will. Dennoch widersetze ich mich nicht der Forderung nach Holzt\u00fcren, in Dresdener Denkmalen lassen wir sie dann offen, dahinter kommt eine Schiebet\u00fcr und dann eine dritte, die bei Sicherheitsproblemen schlie\u00dft. <\/em><\/p>\n<p><strong>Haben Sie diese Debatten als reines St\u00f6rfeuer erlebt?<br \/>\nKulka:<\/strong> <em>Die Diskussion ums Kupferdach hat etwas gebracht. Bei aller Freude m\u00f6chte ich darauf hinweisen, dass sich das Kupferdach in den n\u00e4chsten 25 Jahren schwer auf die barocken Fassaden legen wird, da es erst dann seine hellgr\u00fcne Patina zeigen wird. <\/em><\/p>\n<p><strong>Ab sofort beginnt der Innenausbau \u2013 wo lauern dort die Herausforderungen?<br \/>\nKulka: <\/strong><em>Wir m\u00fcssen mit knappen Mitteln arbeiten, da viel Geld f\u00fcr die historische \u00c4u\u00dferlichkeit ausgegeben wird. Es wird die Kunst sein, aus nichts etwas sehr Sch\u00f6nes, Modernes zu machen. Ich bin unersch\u00fctterlich in dem Glauben, dass das gelingt. <\/em><\/p>\n<p><strong>Im Moment ist die Baustelle von den Kr\u00e4nen aus beleuchtet \u2013 gibt es ein Konzept, wie der fertige Landtag ins Licht ger\u00fcckt wird?<br \/>\nKulka: <\/strong><em>Dar\u00fcber wollte ich lange mit der Stadt reden, aber die Stadt redet nicht mit mir. Herr Klipp ist ziemlich arrogant und exzentrisch. Ich glaube, es fehlt noch das Bewusstsein, dass man hier dringend etwas tun muss. Wir reden \u00fcber Kutschzufahrten, obwohl es keine Kutschen gibt, aber \u00fcber so wichtige Details wird nicht geredet.<br \/>\n<\/em><\/p>\n<p><strong>Sie haben immer gesagt, die Kutschzufahrten sind machbar. W\u00e4ren sie auch sinnvoll?<br \/>\nKulka:<\/strong> <em>Das liegt nicht in meiner Entscheidung. Ich w\u00fcnsche mir, dass der Hof ein \u00f6ffentlicher Raum wird.<\/em> <\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie den Auftrag noch einmal annehmen?<br \/>\nKulka: <\/strong><em>Ich w\u00fcrde es wieder tun! Wenn sie mich nicht h\u00e4tten, was w\u00fcrden sie tun? (lacht) Selbst die Klage \u00fcber zehn Prozent Mehrkosten ist doch dummes Zeug. Beim Berliner Schloss kostet der Kubikmeter umbauten Raums schon doppelt so viel, bevor der Bau begonnen wurde. Nein, es macht trotz allem Spa\u00df. Wo hat man heute eine solche Gelegenheit, der Stadt ihre Erinnerung zur\u00fcckzugeben und zugleich die Wandlung von einem Repr\u00e4sentationsschloss zu einem modernen Landtag zu vollziehen? <\/em><\/p>\n<p><em>Erschienen am 25.11.2011<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Architekt Peter Kulka \u00fcber die Kritiken der Knobelsdorff-Freunde und die Passivit\u00e4t der Stadt Peter Kulka ist der Schlossarchitekt. Mit ihm sprachen Jan Bosschaart und Volkmar Klein \u00fcber Potsdamer Debatten und T\u00fcren. MAZ: Nach all dem Streit um Fenster, T\u00fcren, Dachneigungen und Kutschdurchfahrten \u2013 sind Sie froh, dass der Rohbau abgeschlossen ist? 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