{"id":4578,"date":"2011-10-26T00:01:36","date_gmt":"2011-10-25T23:01:36","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4578"},"modified":"2014-11-24T15:23:20","modified_gmt":"2014-11-24T14:23:20","slug":"pathos-und-superlative","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4578","title":{"rendered":"Pathos und Superlative"},"content":{"rendered":"<p><strong>Pl\u00e4ne f\u00fcr die Alte Fahrt haben nun ein Gesicht \/ Bauten werden \u201eein St\u00fcck Stadtgeschichte\u201c schreiben<\/strong><\/p>\n<p><em>Der Alte Markt soll Potsdam sowohl ein St\u00fcck Geschichte wiedergeben als auch in die Zukunft weisen. Die Bauherren sind \u00fcberzeugt, dass das gelingen wird<\/em>. <\/p>\n<p>Es war die Stunde gro\u00dfer Worte. Man schreibe heute ein St\u00fcck Stadtgeschichte, betreibe ein St\u00fcck Stadtreparatur, sagte Erich Jesse, Chef des st\u00e4dtischen Sanierungstr\u00e4gers, bei der Vorstellung der Bauvorhaben f\u00fcr die Alte Fahrt. Jesse ist sonst nicht eben f\u00fcr \u00fcbertriebenes Pathos ber\u00fchmt, eher f\u00fcr wohlplatzierte Spitzen. Die Historizit\u00e4t des Augenblicks riss ihn offenbar mit. Im \u201eaufw\u00e4ndigsten und transparentesten Verfahren, dass es je gab\u201c (Jesse) seien die Bauherren f\u00fcr die Alte Fahrt und das Eckgrundst\u00fcck an der Schwertfegerstra\u00dfe\/Friedrich-Ebert-Stra\u00dfe gefunden worden, und sie h\u00e4tten \u201edie besten Ergebnisse gezeitigt, die wir kriegen konnten\u201c, davon sei er \u00fcberzeugt. Der Superlative war damit noch kein Ende: Man habe im Auswahlgremium und bei der Vorbereitung der aufw\u00e4ndigen zweistufigen Ausschreibung \u201edie besten Leute bundesweit\u201c gehabt, erg\u00e4nzte Baudezernent Matthias Klipp, auf den das zugrunde liegende Leitbautenkonzept zur\u00fcckgeht. Egal, was nun die Politik sage \u2013 die Stadtveordneten m\u00fcssen die Verk\u00e4ufe im Dezember noch absegnen \u2013, etwas Besseres k\u00f6nne die Stadt unm\u00f6glich vorlegen. Klipp dankte den k\u00fcnftigen Bauherren, denn das Verfahren sei \u201eeine Zumutung\u201c gewesen: \u201eIch bin gl\u00fccklich, dass wir am Ende noch willige Bauherren haben\u201c. Architekten und Investoren mussten nicht nur zun\u00e4chst ein Interessenbekundungsverfahren und dann, bei Erfolg in dieser ersten Runde, ein ausgefeiltes Bau- und Finanzierungskonzept vorlegen, sie waren auch gezwungen, sich dem Auswahlgremium und dem Gestaltungsrat zu stellen, die jeweils noch \u00c4nderungsw\u00fcnsche und Anforderungen an die Geb\u00e4ude hatten. Das alles kostete viel Zeit und Geld, und bis zur Vertragsunterzeichnung konnte niemand sicher sein, auch den Zuschlag zu bekommen. <\/p>\n<p>Ein Gro\u00dfteil der Arbeit f\u00e4ngt nun erst an: Die Investoren m\u00fcssen Bauantr\u00e4ge schreiben, die Stadt muss sie m\u00f6glichst schnell bearbeiten und zeitgleich die arch\u00e4ologischen Untersuchungen im Baugrund voranbringen. Die ersten K\u00e4ufer w\u00fcrden gern im Fr\u00fchjahr mit dem Bau beginnen, die letzten sp\u00e4testens Anfang 2013. 15 bis 24 Monate soll die reine Bauzeit betragen; die Baustellenlogistik neben der Gro\u00dfbaustelle Stadtschloss und auf dem engen Uferstreifen an der Alten Fahrt d\u00fcrfte dann noch eine Herausforderung der ganz besonderen Art werden. <\/p>\n<p>Gr\u00f6\u00dfter und prunkvollster Bau wird sicher das Palais Barberini. Hotelbesitzerin Gertrud Schmack hat das Grundst\u00fcck bekommen und plant dort in der historischen Kubatur \u2013 das Barberini ist der einzige echte Leitbau \u2013 ein weiteres Hotel mit 80 Suiten. F\u00fcr \u00dcberraschung und viel Lob sorgte die Nachricht, dass der junge Potsdamer Bauingenieur Christopher K\u00fchn, der sich bei \u201eMittesch\u00f6n\u201c sehr f\u00fcr historische Rekonstruktion einsetzt, am Barberini mitbauen darf. Weil Schmack nicht, wie gew\u00fcnscht, noch das Grundst\u00fcck nebenan bekam, auf dem sie Wirtschaftsr\u00e4ume des Hotels unterbringen wollte, d\u00fcrfen auf den (nicht leitbau-gesch\u00fctzten) Hoffl\u00fcgeln des Barberini nun Staffelgeschosse errichtet werden, die aber laut Christopher K\u00fchn so weit versetzt sind, dass sie von der Stra\u00dfe und selbst von der Freundschaftsinsel aus kaum zu sehen sein werden. \u00dcber eine Durchwegung in der Mitte bleibt der Durchgang zur Havel f\u00fcr alle Besucher offen; f\u00fcr Hotelg\u00e4ste entsteht eine Tiefgarage. Auch zwei historische S\u00e4le im Barberini sollen wiedererrichtet werden und \u201ef\u00fcr \u00f6ffentliche Nutzungen zug\u00e4nglich\u201c sein. <\/p>\n<p>Am l\u00e4ngsten diskutiert und mit den meisten \u00c4nderungsw\u00fcnschen belegt war der Komplex am Standort des ehemaligen Palasthotels in der Humboldtstra\u00dfe 1 und 2. Der Baukonzern Kondor Wessels will dort ein kombiniertes \u00c4rzte- und B\u00fcrohaus sowie Wohnen einrichten. Im Erdgeschoss ist ein Restaurant geplant; auch hier wird eine Tiefgarage ausgehoben. Als Br\u00fcckenkopf zur Langen Br\u00fccke und n\u00e4chster Nachbar zum Stadtschloss war das modern zu planende Geb\u00e4ude besonderen Anforderungen unterworfen. Im Laufe des Verfahrens wurden die Ecke zur Br\u00fccke hin durch eine breite Kante ersetzt und die Dachform angepasst. Auch sollte das Haus nicht h\u00f6her als das Stadtschloss werden, um sich nicht in den Vordergrund zu spielen. Unter den beauftragten Architekten ist hier auch der renommierte Potsdamer Bernd Redlich. <\/p>\n<p>In der Humboldstra\u00dfe 4 baut ebenfalls Kondor Wessels \u2013 ebenfalls mit Bernd Redlich \u2013 das Palais Chiericati mit historischer Fassade wieder auf \u2013 als Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus. An der Humboldtstra\u00dfe 3 kam die Prinz von Preu\u00dfen AG zum Zuge, die dort hinter der historischen Fassade des Palais Pompeji ebenfalls ein Wohn- und Gesch\u00e4ftshaus plant sowie ein Gartenhaus, das nur zum Wohnen gedacht ist. <\/p>\n<p>Auf den schwierigen, weil sehr schmalen Grundst\u00fccken links neben dem Barberini baut unter anderem Star-Architekt Franco Stella f\u00fcr die Lelbach-Gesellschaft ein Stadthaus und eine Gartenvilla mit moderner Architektur, aber im Stile Palladios. Im Erdgeschoss sind ein Kunstsalon und ein Caf\u00e9 geplant, dar\u00fcber Wohnungen, ebenso im Gartenhaus. Daneben hat die Complan Kommunalberatung ein Grundst\u00fcck erworben, das \u00e4hnlich genutzt wird: Gewerbe im Erdgeschoss, Wohnen dar\u00fcber und im Gartenhaus. Die Fassade ist ebenfalls modern gehalten. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 26.10.2011<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Pl\u00e4ne f\u00fcr die Alte Fahrt haben nun ein Gesicht \/ Bauten werden \u201eein St\u00fcck Stadtgeschichte\u201c schreiben Der Alte Markt soll Potsdam sowohl ein St\u00fcck Geschichte wiedergeben als auch in die Zukunft weisen. Die Bauherren sind \u00fcberzeugt, dass das gelingen wird. Es war die Stunde gro\u00dfer Worte. 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