{"id":4597,"date":"2011-07-08T00:01:12","date_gmt":"2011-07-07T23:01:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4597"},"modified":"2014-11-24T17:12:36","modified_gmt":"2014-11-24T16:12:36","slug":"nachschlag-gaenseleber-ohne-gala-uniform","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4597","title":{"rendered":"NACHSCHLAG. G\u00e4nseleber ohne Gala-Uniform"},"content":{"rendered":"<p><strong>Speckers Landhaus vereint gro\u00dfartiges Essen mit einer unkonventionellen Atmosph\u00e4re<\/strong><\/p>\n<p><em>Ob Spitzenrestaurant, Caf\u00e9, Kneipe, Ausflugslokal oder D\u00f6ner \u2013 Mitarbeiter des Potsdamer Stadt- und Landkuriers sind als anonyme Tester unterwegs. <\/em><\/p>\n<p>Mit dem Motto \u201eG\u00e4nseleber in Jeans\u201c lockt Gourmetgastronom Gottfried Specker in sein \u201eLandhaus\u201c, das er zusammen mit Tochter Tina als \u201eMaitre\u201c und Schwiegersohn Steffen am Herd betreibt. Wir probieren das aus: Nach einem Spaziergang, etwas zerzaust und vom Regen \u00fcberrascht, fallen wir an einem k\u00fchlen Samstagabend bei \u201eSpeckers\u201c ein. Einen sch\u00f6nen Tisch zu bekommen, ist kein Problem, auch ohne Voranmeldung nicht, und niemand schaut pikiert ob der fehlenden Abendgarderobe. Das rustikal, fast ein wenig verspielt eingerichtete Lokal ist dennoch neutral genug, um weder im Anzug noch in Wanderermontur unangenehm aufzufallen. Im k\u00fchlen Biergarten sitzt Ex-EU-Kommissar G\u00fcnther Verheugen in Damenbegleitung, umschw\u00e4rmt vom Patron Specker. Verheugen hat von \u201eG\u00e4nseleber in Jeans\u201c offenbar nichts geh\u00f6rt, er ist im Anzug erschienen, seine Begleitung im Abendkleid. Anf\u00e4nger!<br \/>\nDie kurze Karte bietet f\u00fcr notorisch Unentschlossene das fertig konfektionierte Drei-Gang-Fr\u00fchlingsmen\u00fc mit thail\u00e4ndischer Hummersuppe, Salzwiesenlamm und Zitrusfr\u00fcchten an Aloe-Vera-Sorbet an (32 Euro), Vegetarier werden beim Vegi-Men\u00fc mit Tomatenschaumsuppe und kross gebratenem Tofu (32 Euro) fleischlos gl\u00fccklich. Wir wagen den gro\u00dfen Zugriff und kombinieren einzeln: zur Vorspeise die mit Ziegenk\u00e4se gef\u00fcllten Teigtaschen, die mit Holunderhonig und Balsamicoessig verfeinert ein h\u00fcbsches Zusammenspiel von s\u00fc\u00df, kr\u00e4ftig und mild zeigen (12 Euro), sowie den Ochsentafelspitz im eigenen Gelee, dessen Sommertr\u00fcffel-Garnitur eine s\u00fcdfranz\u00f6sische Note in das urdeutsche Gericht bringt (12 Euro). Die dazu gereichte violette Kartoffelcreme h\u00e4tte sicher auch in einer anderen Farbe gut geschmeckt, sorgte dank dieses Farbtupfers aber f\u00fcr einen weiteren Sommergef\u00fchlsbonuspunkt. Zwischendrin gr\u00fc\u00dft Steffen Specker aus der K\u00fcche mit einem Matjeshappen auf roter Beete und belegt damit, dass er auch im Detail ein Perfektionist ist: Der Happen schmeckt selbst dem erkl\u00e4rten Rote-Beete-Hasser. Die Zeit bis zum Hauptgang kr\u00f6nt ein weiteres Detail: hausgebackenes Brot, dazu Essig und \u00d6l und das von Specker angemischte Wildkr\u00e4utersalz, das allein den Besuch gerechtfertigt h\u00e4tte. Stilecht aus dem kleinen F\u00e4sschen l\u00f6ffelt der Gast eine geheimnisvolle Mischung auf das noch warme Brot, die unter anderem getrocknete Kornblumen enth\u00e4lt und wie eine Wiese im Hochsommer duftet \u2013 perfekt. Zum Hauptgange w\u00e4hlt die Dame das Entrec\u00f4te vom Black-Angus-Rind, klassisch mit gr\u00fcnem Spargel und Sauce B\u00e9rnaise (23 Euro). Die B\u00e9rnaise kommt gewaltig daher, was den Spargel hervorragend begleitet, das zarte Entrec\u00f4te aber glatt unter sich begr\u00e4bt. Doch das ist eine Klagen auf sehr hohem Niveau. Auch eine Spur weniger Estragon h\u00e4tte die So\u00dfe m\u00f6glicherweise entsch\u00e4rft. Der andere Hauptgang, das in Heu gegarte Salzwiesenlamm (22 Euro) hinterl\u00e4sst begeisterte Sprachlosigkeit: Perfekt gegartes Fleisch, das die Sommerwiesen-Assoziation des Kr\u00e4utersalzes dank der Heugarung z\u00e4rtlich wiederbelebte, dazu rustikale Perlgraupen und das beigelegte Honiggem\u00fcse nur leicht sautiert lassen vom Sommer tr\u00e4umen. Alles ruft nach einem leichte Ros\u00e9wein, doch wir haben uns wegen der K\u00fchle und des dunklen Fleisches f\u00fcr einen roten Ladoix entschieden, der mit seiner Undifferenziertheit hinter den Erwartungen und dem Preis (45 Euro) zur\u00fcckbleibt. Das Souffl\u00e9 aus Turron\u00e9-Mandeln mit Erdbeersorbet (10 Euro) entsch\u00e4digt aber nicht nur daf\u00fcr, der grandiose feinherbe Riesling von einem Gut G\u00fcnther Jauchs (6 Euro) l\u00e4sst den Abend auch noch weintechnisch begeisternd ausklingen \u2013 es war kein besserer Souffl\u00e9begleiter denkbar.<br \/>\nBeim Weg hinaus f\u00e4llt der Blick auf Vater und Schwiegersohn Specker, die rauchend und leicht fr\u00f6stelnd am Ende ihres Tagwerks im Hof stehen, den Blick zu den Sternen gerichtet, und \u00fcber Geschmacksnuancen und G\u00e4stew\u00fcnsche plaudern. Sp\u00e4testens jetzt wird klar: Eine bessere Mischung aus gro\u00dfartigem Essen und unkonventioneller Atmosph\u00e4re ist kaum denkbar. <\/p>\n<p><em>Erschienen am 08.07.2011<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Speckers Landhaus vereint gro\u00dfartiges Essen mit einer unkonventionellen Atmosph\u00e4re Ob Spitzenrestaurant, Caf\u00e9, Kneipe, Ausflugslokal oder D\u00f6ner \u2013 Mitarbeiter des Potsdamer Stadt- und Landkuriers sind als anonyme Tester unterwegs. Mit dem Motto \u201eG\u00e4nseleber in Jeans\u201c lockt Gourmetgastronom Gottfried Specker in sein \u201eLandhaus\u201c, das er zusammen mit Tochter Tina als \u201eMaitre\u201c und Schwiegersohn Steffen am Herd betreibt. [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"jetpack_post_was_ever_published":false,"_jetpack_newsletter_access":"","_jetpack_dont_email_post_to_subs":false,"_jetpack_newsletter_tier_id":0,"_jetpack_memberships_contains_paywalled_content":false,"_jetpack_memberships_contains_paid_content":false,"footnotes":"","jetpack_publicize_message":"","jetpack_publicize_feature_enabled":true,"jetpack_social_post_already_shared":true,"jetpack_social_options":{"image_generator_settings":{"template":"highway","default_image_id":0,"font":"","enabled":false},"version":2}},"categories":[26,3,11,33,29,31,27],"tags":[],"class_list":["post-4597","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-kritikrezension","category-maz","category-pdm","category-stilform","category-toho","category-publishedin","category-rating"],"jetpack_publicize_connections":[],"jetpack_featured_media_url":"","jetpack_sharing_enabled":true,"jetpack_shortlink":"https:\/\/wp.me\/p2HHro-1c9","jetpack_likes_enabled":false,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4597","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4597"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4597\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4598,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4597\/revisions\/4598"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4597"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4597"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4597"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}