{"id":4655,"date":"2014-05-24T00:00:19","date_gmt":"2014-05-23T23:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4655"},"modified":"2015-07-17T17:16:09","modified_gmt":"2015-07-17T16:16:09","slug":"sommer-wird-aber-auch-ueberbewertet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=4655","title":{"rendered":"Sommer wird aber auch \u00fcberbewertet"},"content":{"rendered":"<p>Das war er also, der Sommer. Also vorerst nat\u00fcrlich, wir wollen ja nicht wieder in Verdacht geraten, nur Schlechtes mitzuteilen, wie uns ein Leser diese Woche vorwarf. Nat\u00fcrlich kommt noch gaaanz viel Sommer dieses Jahr, aber notfalls k\u00f6nnen wir schon jetzt sagen: Wir hatten doch da diese eine Woche im Mai, wenn wir uns Mitte Juli in Winterm\u00e4nteln auf dem Luisenplatz begegnen, und irgendwer wird dann in seiner Erinnerung kramen und sagen: Stimmt, da war was.<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022<\/p>\n<p>Wobei das ja ohnehin alles ungerecht ist, das f\u00e4ngt schon bei der Sprache an: \u201eDer Sommer kommt\u201d, titelten wir und andere, und die Vorfreude war un\u00fcberh\u00f6rbar. Der Sommer darf also kommen, wann er will, er ist stets willkommen. Der Winter hingegen bricht immer ein, jedenfalls im Journalistensprech, und das klingt stets so, als m\u00fcsse jetzt doch endlich mal jemand zur Staatsanwaltschaft rennen und ihn f\u00fcr diesen hinterlistigen Einbruch anzeigen. Macht komischerweise aber niemand. Jedenfalls l\u00e4sst sich selbst im Archiv von Deutschlands gr\u00f6\u00dfer Nachrichtenagentur nichts finden. Und die sind normalerweise um keine Skurrilit\u00e4t verlegen.<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022<\/p>\n<p>H\u00e4tte der Sommer einen Vornamen, dann lautete er vermutlich Mia, Emma oder Hanna, wie wir diese Woche erfuhren \u2014 das sind 2014 die beliebtesten M\u00e4dchennamen. Wird der Sommer richtig m\u00e4nnlich hei\u00df, dann Ben, Luis oder Finn. Der Winter indes, er wird wohl immer Kevin oder Justin hei\u00dfen, jedenfalls einen Vornamen tragen, von dem p\u00e4dagogisches Fachpersonal behauptet, das sei kein Name, sondern eine Diagnose. Fast k\u00f6nnte man daher Mitleid mit ihm bekommen, dem Winter, denn soziale Ausgrenzung ist ja auch alles andere als lustig, wie uns ein Professor diese Woche im Interview verriet. Respekt, da haben sich Jahre der Forschung aber mal wieder gelohnt. Da staunt selbst die Kita-Betreuerin, und auch Lehrer und Eltern wundern sich.<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022<\/p>\n<p>Ist der Ruf aber erstmal ruiniert, dann kommt man \u2014 ein schlechtes Wortspiele sei erlaubt \u2014 auf keinen gr\u00fcnen Zweig mehr als Jahreszeit. Winter, da schwingt Gefahr mit: Eisgl\u00e4tte, Einbrechen auf Seen; Kreuzbandrisse, blo\u00df weil Opi es auf der schwarzen Piste noch mal wissen wollte; nicht zu vergessen die Nachwirkungen von Jagertee auf Leber und Milz. Als ob der Sommer besser w\u00e4re: Hitzekollaps, Tauwetter f\u00fcr Dicke, von den Pollen w\u00fcrden wir gern schweigen, aber das ginge im redaktionellen Wettniesen unter; die frisch belaubten \u00c4ste fallen herunter und verletzten Radfahrer oder besch\u00e4digen Autos. Von den visuellen Sch\u00e4den mal ganz abgesehen, denn alles \u00fcber 30 Grad bringt gnadenlos ans Licht, was der Wintermantel gn\u00e4dig deckte, von A wie Stei\u00dftattoo bis Z wie Orangenhaut. Modes\u00fcnden sind da noch nicht mal eingerechnet. Auf einer Baustellenbesichtigung waren diese Woche 18 M\u00e4nner, davon alle in modepolizeilich streng verbotenen Kurzarmhemden. Nur der Baudezernent bewies Stil und hatte, wie es der Gentleman-Guide fordert, gekrempelt.<\/p>\n<p>\u2022\u2022\u2022<\/p>\n<p>Dass zuviel Hitze das Gehirn erweicht, ist zwar Volksmund, aber ab einer gewissen Temperatur zumindest auch wissenschaftlich der Wahrheit nahe kommend. Den Beweis trat am Freitag ein Redner bei einem Richtfest an. Der Mann stand in der prallen Sonne \u2014 32 Grad \u2014 und wiederholte 40 Minuten lang, wem er dankte: Den Bauarbeitern zuv\u00f6rderst, denn ohne die ginge es ja nicht (Wirklich?), den Banken zun\u00e4chst, denn ohne die k\u00f6nne man die Bauarbeiter nicht bezahlen (Tatsache!) und schlie\u00dflich den K\u00e4ufern, die daf\u00fcr sorgten, dass man die Schulden bei der Bank wieder losw\u00fcrde (Endlich erkl\u00e4rt\u2019s mal einer.) Das w\u00e4re an sich ja noch \u201esoweit, so \u00fcblich\u201d gewesen. Doch der Mann wiederholte diesen Dank exakt vier mal, nur mit geringf\u00fcgig ver\u00e4nderter Wortwahl, aber jedesmal etwas s\u00e4chselnder, w\u00e4hrend vor ihm das Publikum und das Eis schmolz, der Champagner erste Hitzeblasen warf und die frisch gegrillten Scampi und Rinderfilets erkalteten. Da kann man nur hoffen, dass der Herr Justin oder Kevin hie\u00df und sich mit fr\u00fcher sozialer Ausgrenzung herausreden kann.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das war er also, der Sommer. Also vorerst nat\u00fcrlich, wir wollen ja nicht wieder in Verdacht geraten, nur Schlechtes mitzuteilen, wie uns ein Leser diese Woche vorwarf. 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