{"id":503,"date":"1996-03-17T19:33:37","date_gmt":"1996-03-17T17:33:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=503"},"modified":"2014-04-02T16:15:40","modified_gmt":"2014-04-02T15:15:40","slug":"im-stadtnet-konnen-frauen-kostenlos-chatten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=503","title":{"rendered":"Im StadtNet k\u00f6nnen Frauen kostenlos chatten"},"content":{"rendered":"<p>Ob via Internet oder in der Lieblingsmailbox: Wer chattet, liegt im Trend. Den Boom des elektronischen Smalltalk machen sich die Betreiber des Berliner &#8222;StadtNet&#8220; zunutze: Sie werben mit dem Chat als &#8222;ganz neue Kommunikationsform&#8220;, eine Kreuzung aus Telefonieren und Briefeschreiben.<br \/>\nDabei stehen im StadtNet im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen Mailboxen mit Chat-Option keinesfalls Computerthemen im Vordergrund. Die werden nur erw\u00e4hnt, wenn User kleinere technische Probleme haben.<br \/>\nDas Konzept war von vornherein vor allen in Richtung eines virtuellen Treffpunktes f\u00fcr Surfer ausgelegt. Und der Erfolg scheint den Betreibern recht zu geben: Bereits wenige Monate nach seiner offiziellen Er\u00f6ffnung am 1. September 1995 avancierte das StadtNet zu einer der beliebtesten Mailboxen in Berlin, und derer sind es immerhin gut 200.<br \/>\nEin weiterer Vorteil dieser Form des Chat ist die regionale Begrenzung. Anders als beim Chat im Internet haben die Benutzer hier praktisch jederzeit die M\u00f6glichkeit, sich mit anderen Chattern zu treffen und sich somit pers\u00f6nlich kennezulernen. Mittlerweile ist auf diese Weise eine regelrechte Online-Community entstanden.<br \/>\nWer sich zum ersten Mal einloggt, steht vor der schwierigen Entscheidung, ein Pseudonym zu w\u00e4hlen, mit dem man zuk\u00fcnftig angeredet wird. Das Spektrum der bisher vergebenen &#8222;Pseudos&#8220; reicht von der einfachen Angabe des Vornamens \u00fcber Namen allseits bekannter Personen bis hin zu absoluten Phantasie-Kreationen.<br \/>\nWenn danach der Account mittels Passwort gesichert wurde, findet sich das frisch gewonnene StadtNet-Mitglied wenige Tastendr\u00fccke sp\u00e4ter bereits im \u00f6ffentlichen Kanal (&#8222;Main&#8220; im StadtNet-Slang) wieder. In den meisten F\u00e4llen verh\u00e4lt es sich nun erst einmal ruhig und versucht, ein wenig Ordnung in das sich vor seinen Augen entfaltende Wirrwarr an Farben und Aussagen zu bringen.<br \/>\nIn der Regel dauert es jedoch nicht lange, bis der &#8222;NeuUser&#8220; von einem erfahrenen Chatter mit einem vertrauenerweckenden &#8222;Kann ich Dir helfen?&#8220; angefl\u00fcstet wird, und die erste Barriere auf dem Weg zum &#8222;Friend&#8220;, wie die Chatter sich selbst nennen, ist genommen.<br \/>\nNeben der f\u00fcr alle lesbaren Nachricht besteht auch die M\u00f6glichkeit, bestimmte User gezielt anzusprechen oder ihnen eine nur f\u00fcr sie lesbare Fl\u00fcsternachricht zukommen zu lassen.<br \/>\nAuch sonst bietet die Mailbox genug Bet\u00e4tigungsfelder: Von Foren, deren Inhalt naezu alle Lebensbereiche abdeckt (von &#8222;Ufos&#8220; bis &#8222;StadtNet&#8220;) \u00fcber die allseits beliebte Galerie gescannter Userfotos bis hin zu so genannten &#8222;Homepages&#8220; bleibt auch fernab von Actions und Pages genug Stoff, um sich stundenlang zu besch\u00e4ftigen.<br \/>\nWer Gefallen am StadtNet findet, meldet sich f\u00fcr 60 Mark pro Jahr an und erh\u00e4lt so vollen Zugriff auf alle Funktionen. Frauen werden im \u00fcbrigen kostenlos freigeschaltet, was dazu f\u00fchrt, dass die Geschlechterverteilung im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen Mailboxen, die immer noch als M\u00e4nnerdom\u00e4ne gelten, nahezu ausgeglichen ist. Um sich einzuloggen, braucht man nichts weiter als ein Terminalprogramm und ein Modem, mit dem folgende Rufnummer anzuw\u00e4hlen ist: 030\/8730541.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ob via Internet oder in der Lieblingsmailbox: Wer chattet, liegt im Trend. Den Boom des elektronischen Smalltalk machen sich die Betreiber des Berliner &#8222;StadtNet&#8220; zunutze: Sie werben mit dem Chat als &#8222;ganz neue Kommunikationsform&#8220;, eine Kreuzung aus Telefonieren und Briefeschreiben. Dabei stehen im StadtNet im Gegensatz zu herk\u00f6mmlichen Mailboxen mit Chat-Option keinesfalls Computerthemen im Vordergrund. 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