{"id":533,"date":"2008-08-09T00:00:53","date_gmt":"2008-08-08T22:00:53","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=533"},"modified":"2014-04-03T16:28:46","modified_gmt":"2014-04-03T15:28:46","slug":"fein-burgerlich-im-grafenschloss","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=533","title":{"rendered":"Fein-b\u00fcrgerlich im Grafenschloss"},"content":{"rendered":"<p><em>Mitten in der Uckermark, zwischen Seen und W\u00e4ldern, f\u00fchlten sich schon die Arnims Jahrhunderte lang wohl. Ihr einstiger Stammsitz, das Schloss Boitzenburg, steht heute jedermann offen.<\/em><\/p>\n<p>Auf dem Portikus sitzt es sich gr\u00e4flich. Das s\u00e4ulengetragene Dach sch\u00fctzt vor der Mittagssonne, der Blick schweift \u00fcber den Park zum Schlossweiher, die Kellnerinnen eilen mit voll beladenen Tabletts treppauf, treppab zur weitere 80 Pl\u00e4tze umfassenden Terrasse. Helge Leopold klappt die riesige, ledergebundene Karte zu, lehnt sich in seinem Korbsessel zur\u00fcck und sagt, beim \u201esaftigen Wildspie\u00df auf Rotwein-Orangenso\u00dfe mit Becham\u00e9lkartoffeln und \u00fcberbackenem Fenchel\u201c m\u00fcsste er nicht mehr weiterlesen \u2013 da h\u00e4tte er sein Wunschgericht gefunden.<\/p>\n<p>Leopold muss es wissen. Gemeinsam mit der K\u00fcchenchefin und der Restaurantleiterin kostet der Gastronomie-Chef des Schlosses Boitzenburg \u2013 seine genaue Berufsbezeichnung lautet \u201eFood-and-Beverages-Manager\u201c \u2013 jedes Gericht, bevor es auf der Karte erscheint. Das ist eine h\u00e4rtere Arbeit, als es scheint, sagt er l\u00e4chelnd, denn mit R\u00fccksicht auf die Figur m\u00fcsse es beim Probieren bleiben. Schloss Boitzenburg ist die zentrale Attraktion des gleichnamigen kleinen St\u00e4dtchens im Herzen der Uckermark. Die Arnims haben dort \u2013 mit kurzen Unterbrechungen \u2013 seit dem Mittelalter gewohnt, und da nahezu jeder Schlossherr so seine Aus- und Umbauten an dem Geb\u00e4ude t\u00e4tigte, ist ein abenteuerlicher, aber romantischer Mix s\u00e4mtlicher Baustile der letzten 500 Jahre daraus entstanden. Nach umfangreicher Restaurierung dient das Schloss heute als Hotel, der einst gr\u00e4fliche Marstall ist zur Schlossb\u00e4ckerei, Schokoladenmanufaktur und Kaffeer\u00f6sterei umfunktioniert worden.<\/p>\n<p>Seit 2003 ist das Restaurant in Betrieb, dass sich \u201efein-b\u00fcrgerliche K\u00fcche mit gro\u00dfb\u00fcrgerlichen Portionen zu b\u00fcrgerlichen Preisen\u201c auf die Karte geschrieben hat. Der Grundgedanke hinter allem lautet Regionalisierung. Es gibt landestypische Gerichte mit Zutaten aus uckerm\u00e4rkischen W\u00e4ldern und Seen zu Preisen, die auch in einer strukturschwachen Region bezahlbar sind: Fischsuppe mit Frischk\u00e4sepfannkuchen kostet 4,50 Euro, Matjes an jungen Kartoffeln 9,50 Euro und Kr\u00e4uterschnitzel an Sommerspargel 12,90 Euro. K\u00fcchenchefin Regina Rosin hat aber auch Ambitionierteres in petto: Gebratenes Rumpsteak auf Holler-Sternanisso\u00dfe an Rotweincharlotten und Steckr\u00fcbenp\u00fcrree, Kaninchenkeule in Lavendel-Senfso\u00dfe oder Scholle auf Cassis-Sahnecrem\u00e9 bekommt der Gast eben nicht an jeder Ecke, auch wenn die zubereiteten Speisen manchmal nicht ganz so inspiriert schmecken, wie sie sich lesen. Das Rumpsteak etwa, immerhin H\u00f6hepunkt und teuerstes Gericht der Karte, erweist sich eher als gut durch- denn als medium gebraten, und die Holler-Sternanisso\u00dfe l\u00e4sst Ausgewogenheit vermissen, die auch die draufgekleckste Holundermarmelade nicht ausgleichen kann.<\/p>\n<p>Kaffeer\u00f6sterei und Schokoladenmanufaktur im Marstall sind nicht nur eine zus\u00e4tzliche Touristenattraktion \u2013 den flei\u00dfigen Damen kann dank gro\u00dfz\u00fcgiger Glasscheiben beim Confiserie-Handwerk und der Kaffeer\u00f6stung zugesehen werden. Von ihnen profitiert auch das Restaurant: Der Pralinen-Eisteller zum Nachtisch mit handgesch\u00f6pften Pralinen im Karamellk\u00f6rbchen hat dem Schlossrestaurant bereits einigen Ruhm eingebracht, und die selbstger\u00f6steten Kaffeesorten zeichnen sich durch kaum noch wahrzunehmende Rests\u00e4ure aus. Rarit\u00e4ten wie wilder \u00e4thiopischer Waldkaffee sorgen daf\u00fcr, dass auch experimentierfreudige Kaffeefreunde sich nicht langweilen, die Schlossmischung aus mildem Hochlandkaffee aus Guatemala und Brasil Santos ist h\u00f6chst magenfreundlich und wer gern f\u00fclligen Geschmack in der Tasse hat, greift zum Costa Rica Tarrazu.<\/p>\n<p>Um soviel gutes Essen zu verdauen, empfiehlt sich im Anschluss ein Spaziergang durch den Schlosspark oder der kurze Aufstieg zum Pavillon auf dem H\u00fcgel gegen\u00fcber, von dem aus sich ein imposanter Blick auf das Schloss er\u00f6ffnet. Kinder k\u00f6nnen derweil den Streichelzoo besuchen oder \u00fcber die weitl\u00e4ufige Anlage toben.<\/p>\n<p><em>Info: Schlosshotel Boitzenburg, Templiner Stra\u00dfe 13, Tel. 039889\/ 50930 , www.schloss-boitzenburg.de<\/em><\/p>\n<p><em>Erschienen am 09.08.2008<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mitten in der Uckermark, zwischen Seen und W\u00e4ldern, f\u00fchlten sich schon die Arnims Jahrhunderte lang wohl. Ihr einstiger Stammsitz, das Schloss Boitzenburg, steht heute jedermann offen. Auf dem Portikus sitzt es sich gr\u00e4flich. 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