{"id":621,"date":"2008-05-19T16:30:43","date_gmt":"2008-05-19T14:30:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=621"},"modified":"2015-07-20T13:02:03","modified_gmt":"2015-07-20T12:02:03","slug":"kultur-geht-durch-den-magen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=621","title":{"rendered":"Kultur geht durch den Magen"},"content":{"rendered":"<p>Das Abendland geht schon wieder unter. Nur ein H\u00e4uflein aufrechter Eltern stellt sich noch mit Protesten dem kulturellen Verfall entgegen, der diesmal in Form des Verzichts auf Schweinefleisch im Mittagessen von zehn M\u00fcnchner Kitas daherkommt. Er tut das unter dem Deckmantel des Pragmatismus: Weil bis zu 60 Prozent der Kinder dieser Kitas Muslime sind, will die Schulverwaltung g\u00e4nzlich aufs Schwein verzichten.<br \/>\nNicht nur von den Eltern wird das flugs zur vor-auseilenden Selbstaufgabe der westlichen Welt stilisiert. Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszei-tung diagnostiziert auf der Stelle einen besonders schweren Fall der vorgeblich \u00fcberall grassierenden kulturellen Demenz \u2013 \u201eeiner bis zur Selbstaufgabe \u00fcbersteigerten R\u00fccksichtnahme\u201c, die auf direktem Wege zum Verschwinden der j\u00fcdisch-christlichen Kultur f\u00fchrt. Hurra, wir kapitulieren mal wieder. Das Schandmahl  ist angerichtet, und die bitteren Brocken schmecken nach Abdankungsbereitschaft aller westlichen Werte. Denn sp\u00e4testens jetzt wird klar: Die Transformation Europas in einen islamischen Kontinent ist l\u00e4ngst nicht mehr aufzuhalten. Die Horden des B\u00f6sen verbreiten nicht nur Angst und Schrecken, sie nehmen uns auch die kulturell verb\u00fcrgten leiblichen Gen\u00fcsse.<br \/>\nSoviel Aufregung wegen ein paar l\u00e4ppischer Schnitzel und Bockw\u00fcrste!<br \/>\nEs muss ein sehr trauriges Bild sein, das diese lustvollen Propheten  des Untergangs von ihrer westlichen Welt haben, wenn sie deren Kern schon beim Verzicht auf Eisbein und Bauchfleisch in Kindertagesst\u00e4tten bedroht sehen. Und nicht nur das: Sie unterstellen der von ihnen so kultisch verehrten westlichen Zivilisation damit eine Fragili-t\u00e4t, die fast schon beleidigend ist angesichts der Jahrhunderte ihres Bestehens. Das alles erweist sich bei Lichte betrachtet als fataler Fehlschluss, dem aufzusitzen das weitaus gr\u00f6\u00dfere \u00dcbel w\u00e4re. Die St\u00e4rke des Abendlandes liegt keineswegs in seiner Speisekarte, sondern in seiner Offenheit und Pluralit\u00e4t. Nicht durch einen R\u00fcckfall in die Abgrenzung von anderen oder die \u00dcberh\u00f6hung der eigenen Kultur in eine \u201eleitende\u201c beweist der Westen seine St\u00e4rke. Diesem fatalen Irrtum ist er doch schon mehrfach aufgesessen, und die Folgen sind noch lange nicht verdaut.<br \/>\nDie Bereitschaft zur Integration hingegen ist der einzige Weg aus dem Dilemma. Dass er immer leicht sei und keine Opfer fordert, hat nie jemand ernsthaft behauptet. Diese Bereitschaft zu opfern w\u00e4re aber der wahre R\u00fcckschritt: ein R\u00fcckfall in voraufkl\u00e4rerische Zeiten, der die Diagnose vom Verfall der westlichen Kultur weit eher rechtfertigte als Haxenentzug f\u00fcr Vorsch\u00fcler.<\/p>\n<p><em>(Ver\u00f6ffentlicht am 19. Mai 2008)<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Abendland geht schon wieder unter. 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