{"id":631,"date":"2008-10-18T00:00:09","date_gmt":"2008-10-17T22:00:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=631"},"modified":"2008-10-30T03:10:08","modified_gmt":"2008-10-30T01:10:08","slug":"was-der-senkel-hergibt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=631","title":{"rendered":"Was der Senkel hergibt"},"content":{"rendered":"<p><em>Schn\u00fcren scheint das Gebot der Stunde, doch die Jury ist gnadenlos<\/em><\/p>\n<p>Rettungspaket wird das Wort des Jahres werden \u2013 soviel l\u00e4sst sich schon jetzt sagen. Es wird dieser Tage grandios geschn\u00fcrt in Deutschland: Jeder, der was zu retten hat, schn\u00fcrt, was der Senkel hergibt. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass Armut ausnahmsweise mal tr\u00f6stlich ist: Wer nichts hat, kann nichts verlieren, muss nichts retten. Die vielzitierte Angst des Mittelstands vor dem Abrutschen ins Prekariat, hier wandelt sie sich in ein sanftes Ruhekissen. Nur des wirklich Wohlhabenden Konto tr\u00e4gt b\u00f6se Fr\u00fcchte: \u201eH\u00e4tte ich kein Aktiendepot, ich k\u00f6nnte ruhiger schlafen.\u201c Das ist die Strafe daf\u00fcr, dass er sich dem Trend zur Armut standhaft verweigerte \u2013 doch der Konjunktiv ist der Feind des Verlierers. Gro\u00dfmut und Opferbereitschaft sind daher das Gebot der Stunde. Der Chef der Deutschen Bank verzichtete, nachdem er sich gr\u00fcndlich umgeschaut hatte, ob auch alle Kameras angeschaltet und alle Bleistifte gespitzt sind, auf seine Boni und begn\u00fcgt sich nun mit einem schmalen Grundgehalt von 1,2 Millionen Euro. Auch er schn\u00fcrt also mit, und er spendet die Millionen den Bed\u00fcrftigsten: verdienten Mitarbeitern seines Geldhauses. Das ist konsequent, denn wenn wir eines gelernt haben aus der Finanzkrise, dann dass es die schwer arbeitenden, bis zur Selbstaufgabe am Gemeinwohl orientierten Banker sind, die nun wirklich am wenigsten daf\u00fcr k\u00f6nnen, aber am schlimmsten gebeutelt werden. Sie haben schlie\u00dflich die gef\u00e4hrdeten dicken Depots, w\u00e4hrend sich der gemeine Hartz-IV-L\u00fcmmel auf seiner Schadenfreude dar\u00fcber ausruht, dass er ja nichts zu verlieren habe. Sie ist ungerecht, die Welt, und der P\u00f6bel ohne Mitgef\u00fchl.<br \/>\nDas Schn\u00fcren macht indes Schule. Bei der Miss-Wahl am Mittwoch in Diedersdorf versuchte eine Kandidatin, die Auswirkung der skeptischen Jury-Blicke auf ihr Selbstbewusstsein in den folgenden Runden durch beherzten Eingriff in die Feinjustierung ihres BHs abzumildern. Danach h\u00e4tte sie zwar freih\u00e4ndig Ma\u00dfkr\u00fcge \u00fcber den Laufsteg balancieren k\u00f6nnen und freie Auswahl an Mitfahrgelegenheiten nach Hause gehabt, im Gesamtklassement brachte sie das aber auch nicht sp\u00fcrbar nach vorne. Atemnot und ein farblich ihrem feuerwehrroten Abendkleid nacheifernder Teint lehrten sie immerhin, dass \u201eSchn\u00fcren\u201c und \u201eAbschn\u00fcren\u201c den selben Wortstamm haben. Das wiederum ist eine Lektion, die zu lernen Politikern und Bank-Chefs erst noch bevorsteht. Und wenn es ganz mies l\u00e4uft, selbst uns armen Prekariern.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 18.10.2008<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schn\u00fcren scheint das Gebot der Stunde, doch die Jury ist gnadenlos Rettungspaket wird das Wort des Jahres werden \u2013 soviel l\u00e4sst sich schon jetzt sagen. Es wird dieser Tage grandios geschn\u00fcrt in Deutschland: Jeder, der was zu retten hat, schn\u00fcrt, was der Senkel hergibt. 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