{"id":661,"date":"2008-11-12T00:00:18","date_gmt":"2008-11-11T22:00:18","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=661"},"modified":"2014-04-03T16:45:59","modified_gmt":"2014-04-03T15:45:59","slug":"mehr-integration-weniger-medienkonsum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=661","title":{"rendered":"Mehr Integration, weniger Medienkonsum"},"content":{"rendered":"<p><strong>Jugendkriminalit\u00e4t: Experten, Helfer und Betroffene suchten nach Antworten<\/strong><\/p>\n<p><em>Wie l\u00e4sst es sich verhindern, dass in Frankreich die Vorst\u00e4dte brennen und in der M\u00fcnchner U-Bahn Jugendliche einen Mann fast zu Tode pr\u00fcgeln? Die Stiftung Genshagen lud deutsche und franz\u00f6sische Experten zur Debatte ins Schloss.<\/em><\/p>\n<p>GENSHAGEN| Die Idee zur Debatte ist schon drei Jahre alt: Als in Frankreich Ende 2005 die Banlieues brannten, reifte in der Stiftung Genshagen der Gedanke heran, ein Austausch \u00fcber Jugendgewalt k\u00f6nnte f\u00fcr Franzosen wie Deutsche gewinnbringend sein. Angez\u00fcndet wurden die Vorst\u00e4dte damals von w\u00fctenden Jugendlichen \u2013 meist mit Migrationshintergrund -, die ihren Gef\u00fchlen von Chancenlosigkeit und Ausgrenzung mit Streichholz und Baseballschl\u00e4ger Ausdruck verliehen. Der Plan der Stiftung, die sich der deutsch-franz\u00f6sischen Zusammenarbeit in Europa verschrieben hat, erwies sich nahezu als prophetisch. Nicht zuletzt wegen der M\u00fcnchner U-Bahn-Schl\u00e4ger und weil Jugendkriminalit\u00e4t in Hessen zum Wahlkampfthema wurde, erreichte die Debatte auch Deutschland. Die Ausrichtung der Tagung in Genshagen indes scheiterte zun\u00e4chst an F\u00f6rderh\u00fcrden, wie No\u00e9mie Kaufman, Projektleiterin der Stiftung, bedauerte. Doch das Warten lohnte: Am Wochenende trafen sich 75 Wissenschaftler, Sozialarbeiter, Polizisten, Staatsanw\u00e4lte, Lehrer und Integrationsbeauftragte, um sich \u00fcber den Umgang mit Jugendkriminalit\u00e4t auszutauschen. Das Publikumsinteresse war gro\u00df, auch hochkar\u00e4tige Referenten sagten gern zu. Darunter Jean-Yves Camus, Frankreichs bekanntester Experte f\u00fcr Rechtsextremismus und Christian Pfeiffer, ehemaliger nieders\u00e4chsischer Innenminister und heute Professor und Direktor eines kriminologischen Forschungsinstituts.<br \/>\nGro\u00dfe Namen sichern breite Aufmerksamkeit, bergen aber auch Gefahren, wie sich am Freitagabend zeigte. Christian Pfeiffer, der sich etwas versp\u00e4tete, platzte in eine bereits laufende, aber recht unemotional pl\u00e4tschernde Debatte: Man war sich in vielem einig. Der streitbare Pfeiffer hingegen riss sofort die Aufmerksamkeit an sich. Er sagte zwar nichts, was er nicht auch sonst bereitwillig in Kameras und Journalistenbl\u00f6cke diktiert, aber er sagte es mit einer Sch\u00e4rfe und Gewissheit, als g\u00e4be es keine offenen Fragen mehr: dass Migrantenkinder, speziell t\u00fcrkische, deutlich h\u00e4ufiger zu Gewalt neigen; dass sie meist weniger gebildet, aber nicht d\u00fcmmer sind, sondern nachweislich nur nicht gef\u00f6rdert und integriert wurden; dass Misshandlung und \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Medienkosum bei Kindern kriminelle Karrieren deutlich bef\u00f6rdern; dass Computerspiele von gro\u00dfem \u00dcbel und die Hauptschule wie die Pest zu meiden sei; dass in Niedersachsen alles besser und in Berlin alles ganz besonders schlimm sei. Doch er wusste auch Rat: Nicht auf die Politik hoffen, den Medienkonsum reduzieren, b\u00fcrgerschaftliches Engagement wagen, Integration f\u00f6rdern, dann klappt&#8217;s auch mit den Gewaltt\u00e4tern. Ein Integrationsbeauftragter im Publikum wagte den Einwand, dass ihm diese Sicht zu einseitig und \u201everkrampft optimistisch\u201c erscheine und wurde von Pfeiffer harsch abgekanzelt. Der ebenfalls anwesende Direktor der Berliner R\u00fctli-Schule \u2013 mittlerweile eine Vorzeigeeinrichtung \u2013 sah zwischendurch aus, als wolle er platzen, bemeisterte sich aber und betonte am Ende nur sarkastisch, es sei doch schade, dass der Herr Pfeiffer so dringend zum Flugzeug musste und nicht zur Diskussion bleiben konnte. Schwerer wog, dass der franz\u00f6sische Soziologe Marwan Mohammed und Safter Cinar vom T\u00fcrkischen Bund Berlin-Brandenburg kaum zu Wort kamen. Sie sa\u00dfen zwar auch auf dem Podium, ihre leiseren und differenzierteren Beitr\u00e4ge wurden aber durch die schiere Pr\u00e4senz Pfeiffers fast erdr\u00fcckt.<br \/>\nEs standen noch weitere Debatten auf dem Programm: \u00fcber wirksame Mittel gegen Gewalt an der Schule; \u00fcber die Frage, ob Pr\u00e4vention oder Strafe die geeignetere Antwort auf Jugendkriminalit\u00e4t sind und wie man rechtsextremen Jugendlichen wirkungsvoll begegnet. Alles Fragen, zu denen auch Professor Pfeiffer sicher eine wortreiche Antwort gehabt h\u00e4tte. Aber der war ja schon weg.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 12.11.2008<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jugendkriminalit\u00e4t: Experten, Helfer und Betroffene suchten nach Antworten Wie l\u00e4sst es sich verhindern, dass in Frankreich die Vorst\u00e4dte brennen und in der M\u00fcnchner U-Bahn Jugendliche einen Mann fast zu Tode pr\u00fcgeln? 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