{"id":684,"date":"2008-11-26T00:01:17","date_gmt":"2008-11-25T23:01:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=684"},"modified":"2014-04-03T16:51:55","modified_gmt":"2014-04-03T15:51:55","slug":"ein-neonazi-wird-weinerlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.bosschaart.de\/blog\/?p=684","title":{"rendered":"Ein Neonazi wird weinerlich"},"content":{"rendered":"<p><strong>Eklat: Zossener Stolpersteingegner ist gerichtsbekannter Holocaust-Leugner \/ Offener Brief an die Stadt<\/strong><\/p>\n<p><em>Was mag den Mann nur bewogen haben, gegen die Stolpersteine zu w\u00fcten? Das fragten sich viele Zossener am Donnerstag. Die Antwort ist so simpel wie erschreckend: Er ist ein bekannter Holocaust-Leugner.<\/em><\/p>\n<p>ZOSSEN| \u00a0Nat\u00fcrlich ist es kein Versehen, dass der leere Bierkasten, der vor dem Zossener \u201eMedienkombin@t\u201c auf dem Boden steht, die zwei Stolpersteine verdeckt. Es ist pure Absicht, eine Provokation. Rainer Link, der Inhaber dieses Internetcaf\u00e9s, hat sich f\u00fcr die kleine L\u00f6sung entschieden: Die Stolpersteine, die vor seinem Gesch\u00e4ft daran erinnern sollen, dass dort, in der Berliner Stra\u00dfe 11, einst Juden wohnten, wollte er zun\u00e4chst \u201erausrei\u00dfen\u201c und au\u00dferdem gerichtlich dagegen vorgehen. Das Rausrei\u00dfen hat er sich dann wohl nicht getraut, und zumindest bis gestern lag auch am Amtsgericht noch keine Beschwerde des Gewerbetreibenden vor, der anl\u00e4sslich der Verlegung der Steine am Donnerstag die Kontrolle verlor, B\u00fcrger beschimpfte und einem st\u00e4dtischen Mitarbeiter die Kamera entriss, wobei er ihn verletzte (MAZ berichtete). Daf\u00fcr aber wurde inzwischen zur Gewissheit, was noch am Donnerstag nur vermutet werden konnte: Rainer Link ist ein bekennender Rechtsradikaler, der bereits mehrfach von Gerichten zu Geldstrafen verurteilt wurde, weil er aktiv die so genannte \u201eHolocaust-L\u00fcge\u201c vertritt, also \u00f6ffentlich und vehement behauptet, es habe den Mord an sechs Millionen Juden durch die Nationalsozialisten nie gegeben.<br \/>\nLink bewegt sich dabei im Dunstkreis des sehr prominent als Holocaust-Leugner hervortretenden Anwalts Horst Mahler und war zeitweise Schatzmeister des mittlerweile verbotenen \u201eVereins zur Rehabilitierung der wegen Bestreitens des Holocausts Verfolgten\u201c, einem Zusammenschluss, dem neben Mahler so bekannte Holocaust-Leugner wie Ernst Z\u00fcndel, Robert Faurisson und Anneliese Remer angeh\u00f6rten. Dass nun einem Fanatiker wie Rainer Link, der seit Jahren durch die Lande zieht, um zu behaupten, den Holocaust habe es nie gegeben, ausgerechnet zwei Gedenksteine f\u00fcr ermordete Juden vor die Ladent\u00fcr gelegt werden, muss als Ironie des Schicksals gelten.<br \/>\nIn Zossen wusste jedenfalls bis zum letzten Donnerstag niemand etwas von den \u00dcberzeugungen des Neub\u00fcrgers, der vor drei Jahren aus Berlin in die Stadt zog, unter anderem, weil ihm in der Hauptstadt niemand mehr eine Wohnung vermieten wollte, wie Rechtsextremismus-Experte Maurice Reisinger berichtet, der seit Jahren die Gruppe der Holocaust-Leugner beobachtet und zu diesem Thema forscht. In Zossen erwarb Link das Gesch\u00e4ft in der Berliner Stra\u00dfe 11 in Unkenntnis dessen, dass dies fr\u00fcher ein j\u00fcdisches Wohnhaus war, und richtete im Untergeschoss sein Internetcaf\u00e9 ein. \u201eWenn ich gewusst h\u00e4tte, dass in dem Haus jemals Juden gewohnt haben, h\u00e4tte ich das Objekt nie gekauft\u201c, klagt Link in einem offenen Brief an Zossens B\u00fcrgermeisterin Michaela Schreiber. Darin beschwert er sich nachdr\u00fccklich dar\u00fcber, \u201ehinterr\u00fccks be\u0007steinigt\u201c worden zu sein und \u00fcber den \u201ebarschen Tonfall\u201c am Tag der Verlegung. Das entbehrt nicht einer gewissen Ironie, war es doch Rainer Link selbst, der einen st\u00e4dtischen Angestellten verpr\u00fcgeln wollte und mehrere Umstehende schubste und anschrie. Dann schimpft er \u00fcber den \u201eMeinungsterrorismus\u201c beim Thema Juden, den \u201evolksverhetzenden Artikel\u201c in der MAZ und klagt, er m\u00fcsse nun um sein Gesch\u00e4ft und sogar sein Leben f\u00fcrchten, ja er habe sogar Polizeischutz beantragt. Bislang sind allerdings nur unfreundlich dreinblickende junge M\u00e4nner in Bomberjacken zu sehen, die hinter dem Schaufenster demonstrativ auf die Stra\u00dfe starren \u2013 unter anderem zum abgedeckten Stolperstein.<br \/>\nAus seinen \u00dcberzeugungen macht Rainer Link in dem Brief keinen Hehl mehr, er erz\u00e4hlt von seinen Gerichtsverfahren wegen Volksverhetzung, klagt \u00fcber \u201eGedenkknechtschaft\u201c und \u201eZwangsandenkenoktroy\u201c, nennt die Stolpersteine \u201eSchuldkultsteine\u201c und verlegt sich dar\u00fcber hinaus auf eine Mischung aus Drohen (\u201eIch werde Sie f\u00fcr alles haftbar machen\u201c, \u201eIch investiere keinen Euro mehr\u201c) und Weinerlichkeit (\u201eZossen ist f\u00fcr mich zu einem Alptraum geworden\u201c, \u201eIch schlafe in meinen Gewerber\u00e4umen, um pr\u00e4sent zu sein, sollte die verhetzte Meute meinen Laden \u00fcberfallen\u201c).<br \/>\nDie Kraft, zu provozieren ist Rainer Link aber erhalten geblieben. Schon seit Montag bedeckt der Bierkasten die Stolpersteine, daran hat der Unternehmer einen Aufsteller gelehnt. Zossens Ordnungsamtsleiter Hartwig Ahlgrimm versprach, noch am selben Tag Mitarbeiter vorbeizusenden, doch konnten sich diese entweder nicht durchsetzen, oder die Sturheit des Rainer Link war st\u00e4rker: Am Abend bedeckte die Bierkiste die Steine nach wie vor. Auch am gestrigen Dienstag waren die Steine w\u00e4hrend der \u00d6ffnungszeiten des \u201eMedienkombin@ts\u201c nicht zu besichtigen. Die Idee, den Kasten zur Seite zu schieben, d\u00fcrfte den meisten Passanten angesichts der grimmig schauenden Herren hinter der Scheibe schnell vergangen sein. B\u00fcrgermeisterin Michaela Schreiber versprach gegen\u00fcber der MAZ aber, man werde sich schnell darum k\u00fcmmern.<br \/>\nDas sollte durchaus im Interesse der Stadt sein. Neben Gerd Walther, einem anderen Mitstreiter Horst Mahlers, wohnt nun ein weiterer, bundesweit bekannter Holocaust-Leugner in der Stadt, und die Schlagzeilen verbreiten sich schnell. Bedenkt man, dass mit dem Berliner NPD-Vorsitzenden J\u00f6rg H\u00e4hnel in Kummersdorf-Alexanderdorf und dem NPD-Granden Matthias Ridderskamp in Blankenfelde bereits vier Neonazi-Gr\u00f6\u00dfen den Weg aus Berlin in den Altkreis Zossen gefunden haben, sind Sorgen um den Ruf der gesamten Region angebracht.<\/p>\n<p><em>Erschienen am 26.11.2008<\/em><\/p>\n<p>Mehr zum Thema (chronologisch):<\/p>\n<ul>\n<li><a href=\"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=676\">Rangelei wegen eines Gedenksteins<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=684\">Ein Neonazi wird weinerlich<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=686\">Kommentar: Fehlender Aufschrei<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=694\">Glosse: Die Pizza-Alternative<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=696\">Ein Neonazi enttarnt sich<\/a><\/li>\n<li><a href=\"http:\/\/www.jan-bosschaart.de\/wp\/?p=708\">Entsetzen in Chor und Kirche<\/a><\/li>\n<\/ul>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eklat: Zossener Stolpersteingegner ist gerichtsbekannter Holocaust-Leugner \/ Offener Brief an die Stadt Was mag den Mann nur bewogen haben, gegen die Stolpersteine zu w\u00fcten? Das fragten sich viele Zossener am Donnerstag. Die Antwort ist so simpel wie erschreckend: Er ist ein bekannter Holocaust-Leugner. 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