Archiv für die Kategorie „Westhavelländer“

Märkische Gastlichkeit

Mittwoch, 6. Mai 2015

Ein Restaurant, irgendwo dort, wo die Mark am schönsten ist. Es gibt etwas mit einem Kollegen zu feiern. Und es gibt Spargel. Mit Zander. Wunderbar – auf der Haut gebraten, außen kross, innen saftig. Fehlt nur noch ein passender Weißwein zum Glück. Aber so ist das mit dem Glück – es versteckt sich gern. Die Karte listet Bier, Schnaps und Sekt, dann endet sie abrupt. Nun gut. Wir haben einen Beruf mit Kommunikationshintergrund, also kommunizieren wir. Freundlicher Wink zur Kellnerin.
„Haben Sie auch Wein?“
„Ja.“
(Innerer Klaps auf den Hinterkopf. Jan, du bist in deiner Heimat. Hier sagt man auch „ja“ und geht weiter, wenn du fragst, ob jemand eine Uhr dabei hat, statt dir die Zeit zu nennen. Frag halt richtig!)
„Nur, weil in der Karte keiner steht.“
„Wir haben aber welchen.“
„Schön.“
„…?“
„Ähm… was haben Sie denn?“
„Roten und weißen.“
„…?“
„…!“
„Es soll zum Spargel schon weißer sein. Was bieten Sie da genau?“
„Trocken und halbtrocken.“
(Okay, Jan, sieh ein, du hast verloren:)
„Dann unbedingt den trockenen, bitte!“
Die Kellnerin, im Weggehen, mit dem Rücken zum Gast: „Ist auch ein guter. Ein österreichischer Kerner. Sortentypisch. Feine Säure, gute Frucht.“
Dumpfes Geräusch, als mein Kopf auf die Tischplatte aufschlägt.
Ich liebe mein Heimatland.
Meistens.


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