Unverzichtbar

Es ist eine Plage, seine Erinnerungen an nachfolgende Generationen weiterzugeben. Nachfolgende Generationen tendieren dazu, ihre Erfahrungen und ja, auch ihre Fehler, selbst machen zu wollen. Nachfolgende Generationen fühlen sich schnell belehrt oder – und das ist angesichts heikler Themen wie des Holocaust um so schlimmer – schlichtweg gelangweilt. Das trifft besonders auf Jugendliche zu, für die das irgendwie graue Vorzeit ist, die keinen Bezug zu ihrem Alltag zu haben scheint, der sich eher um Pop, Pickel und Pubertät dreht. Es ist nicht mal eine Saat, die schnell aufgeht, denn die Erfolge zeigen sich oft erst, wenn der Weitergebende nicht mehr lebt. Und nicht jeder ist ein Talent wie Anne Franks Freundin Hannah Pick-Goslar, das mühelos größere Säle fesselt.

Es kann aber auch ein Kinderspiel sein, Erinnerungen weiterzugeben. Nichts macht mehr Spaß, als etwas zu schaffen, das einen überdauert. Im Alter wächst der Wunsch, etwas über das Materielle Hinausreichendes zu hinterlassen. Wenn es auch noch in einer Gruppe wie den „Zeitzeugen“ geschieht, kann es kaum Schöneres geben. Doch egal, ob Weitergabe Frust oder Freude ist, eines ist sie sicher: unverzichtbar.

Erschienen am 10.07.2007

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