Endlich!

Jan Bosschaart über eine Ernährungsstudie, die längst überfällig war

Wir haben es ja immer geahnt, dass Vegetarier keine echten Kerle sind. Diese ganze Weinerlichkeit wegen ein paar geschlachteter Säuger; diese Genussunfähigkeit, wenn alles Fleisch außer totgestreichelten Tieren auf dem Teller blieb, das wirkte nicht eben wie die Inkarnation des Maskulinen auf uns. Da begrüßen wir eingefleischten Tofu-Brätling-Verweigerer, dass die Wissenschaft nun, nach Jahren voller Studien über Schädlichkeit und Schändlichkeit des Fleischgenusses, einmal unsere Sprache spricht: Ein Harvard-Mediziner fand heraus, dass der Verzehr von Soja-Produkten die Spermienqualität nachhaltig beeinflusst. Tofu-Typen, so die Studie, bilden nur halb so viele Spermien wie Eisbeinesser aus. Die Begründung dafür ist Wasser auf die Mühlen unserer Vorurteile: Soja enthält Isoflavone, die im männlichen Körper wie weibliche Hormone wirken. Ha! Ihr Weichlinge! Ihr Mädchen! Im Lichte der neu gewonnenen Erkennntis völlig überflüssig ist daher eine zweite Meldung, nach der vegan lebende junge Eltern ihre Ernährung vorübergehend umstellen sollten, weil Babys Eisen benötigen. Wir fragen an dieser Stelle besorgt und hämisch zugleich: Welche Babys?

Erschienen am 31.07.2008

Schluss mit lustig

Musik: Deutschlands vulgärste Boygroup Knorkator hört auf

BERLIN 2006 hieß es noch, „Wir werden auf die Kacke hauen, bis man uns das per Gesetz verbietet oder unsere zerfetzten Körper es nicht mehr zulassen.“ Nach Erschlaffung sah es aber zum Auftakt der Knorkator-Abschiedstournee am Donnerstag im Berliner Monbijoupark gar nicht aus: Frontmann „Stumpen“ wirkte wendig und vulgär wie eh und je und eröffnete gut gelaunt mit „Es kotzt mich an“ das zweistündige Konzert, in dessen Verlauf kein Knorkator-Klassiker wie „Ding in die Schnauze“, „Ich hasse Musik“, „Ick wer zun Schwein“ und einige weitere mit nicht zitierfähigen Titeln und Texten folgten.
Die Atmosphäre war trotz mehrerer hundert Gäste im hölzernen Amphitheater familiär. Knorkator, die sich selbst die „etwas andere Boygroup“ nennen, sind eine Band des Entspanntseins: Ohne Konzept, ohne Schuhe, ohne politische Korrektheit. Etwa die Hälfte der Lieder wurde nicht zu Ende gespielt, weil irgendwer daneben griff, „Stumpen“ aus dem Rhythmus kam oder den Text vergessen hatte.
Das passierte ihm besonders gern bei „Westliedern mit englischem Text“ wie seiner Persiflage auf „Highway to Hell“, das er im Falsett als Ballade anlegte. Die Fans lieben Knorkator nicht nur für hintergründige Komik: Sie kommen vor allem, um den Anarcho-Charme der „weltweit meisten Band Deutschlands“ zu genießen.Knorkator machen alles, was anstößt: Sie beschimpfen das Publikum, sie nehmen nichts ernst – sich selbst zum Glück auch nicht –, sie beleidigen jeden, zelebrieren den Ekel und alles Fäkale, lassen an nichts ein gutes Haar. Sie sind wie Riesenbabys, die sich weigern, erwachsen zu werden, aber das mit soviel Charme und Selbstironie und – ja, doch – auch Intelligenz, dass es schon wieder fast reif wirkt. Lange galt die Band aus Berlin als subversiver Geheimtipp. Dann kam der Grand-Prix-Vorentscheid im Jahr 2000, und Deutschland reagierte auf die Provokationen der Spaßrocker, die im ARD-Abendprogramm in Plüschkostümen Möbel zersägten, wie es sollte: beleidigt. Einen größeren Gefallen hätte man der Band kaum tun können. „Soviel Spaß hatten wir selten“, sagte Stumpen.
Nun, nach elf Jahren, ist erstmal Schluss mit lustig. „Es hat einfach Gründe“, ist alles, was von Stumpen an diesem Abend zu den Gründen zu hören ist. Mehr war von einer Band, die nichts ernst nimmt, nicht zu erwarten.

Erschienen am 19.07.2008

Zur Not auch im Schlamm

Kultur: Roland Seidler wuchtet das Theater Boitzenburg fast allein: Er schreibt, inszeniert und spielt mit

Es muss nicht immer Ralswiek sein: In der Uckermark etabliert sich ein Freilichttheater. Dahinter steht ein Mann, der schon mit Gojko Mitic durch die Mongolei ritt.

BOITZENBURG Auch das Wetter hat im Drehbuch geblättert. Feiner Landregen geht über Boitzenburg nieder – kurz bevor die Generalprobe beginnt. Das passt durchaus, um ein Stück in den englischen Wäldern des Sherwood Forest zu untermalen, doch soviel Werktreue hatte Roland Seidler eigentlich nicht im Sinn. Er setzt die schwere Holzbank ab, die er geradevor die Bühne schleppte, schaut grimmig gen Himmel, wirft sich in die Brust und donnert: „Scheiße, warum regnet es denn?“ Publikum gibt es zwar keines – die Helfer haben ihre Bänke stehen gelassen und sind unter Bäume geflüchtet – doch Seidler lässt seine rauhe Stimme erschallen, als handle es sich um eine lange geprobte Szene.
Die Generalprobe verschiebt der Regisseur Seidler wegen des Regens aber nicht. Im Naturtheater an der Boitzenburger Klosterruine müssen alle wetterfest sein: Darsteller und Helfer ohnehin, und auch die Zuschauer tun gut daran, auf jede Witterung vorbereitet zu sein – obgleich Seidler am Eingang auch Regencapes verkaufen lässt. „Das ist eine clevere Angelegenheit, nicht?“, sagt er und setzt ein Lausbubengesicht auf.
Seine Freude währt nicht lange, denn es regnet sich ein. Er fürchtet nicht um sein Stück – nach Jahren als Winnetou in Annaberg-Buchholz und als Oberbösewicht bei den Störtebeker-Festspielen in Ralswiek ist der Schauspieler Seidler einiges gewohnt, zur Not spiele er auch knietief im Schlamm, sagt er. Doch der Unternehmer Seidler fürchtet um die Zuschauerzahlen. Trotz allgemeinen Lobes für Idee und Umsetzung ist das Theater in der Klosterruine Boitzenburg im vierten Jahr seines Bestehens noch lange keine sichere Bank. „Finanziell ist das grenzwertig“, sagt er, „ich habe in letzter Zeit nichts verdient. Das muss sich ändern, sonst kann ich’s lassen.“ Beim Freiluft-Theater gilt: Gutes Wetter gleich gute Einnahmen. Die letzten Sommer waren eher regenreich.
Vor 15 Jahren hatte Roland Seidler erste Theaterpläne für die Uckermark. Sie waren deutlich größer: Mit dem Deutschen Theater Berlin und dem Nationaltheater in Weimar wollte er eine Klassikbühne in Boitzenburg gründen. Er hatte bereits zwei Minister im Boot, Kontakte nach Brüssel und zur Unesco, aber es scheiterte an den Leuten in der Gemeinde, die lieber ihre Ruhe haben wollten. „Da ist der Uckermärker komisch. Er will zwar Touristen, aber am liebsten solche, die Geld überweisen und dann wegbleiben.“ So wurde nichts aus dem Plan, doch der Kulturförderer Seidler nahm einen zweiten Anlauf: „Nun mache ich halt einfaches Volkstheater, schreibe die Stücke, inszeniere, entwerfe das Bühnenbild und spiele selbst mit“, sagt er mit einem Lächeln, das zwischen Wehmut und Trotz schwingt: „Uckermärker gelten als die stursten Menschen Deutschlands. Was die Gemeinde damals unterschätzt hat, ist: Ich bin auch einer.“
Jahr für Jahr nimmt Seidler sich vor, diesmal nicht mitzuspielen, und Jahr für Jahr tritt er dann doch auf: Weil Schauspieler ausfallen oder kurzfristig andere, besser dotierte Engagements bekommen. „Einmal musste ich alter Mann sogar den d’Artagnan spielen“, erzählt der 57-Jährige etwas kokett und fasst sich an die Leiste, die seit der Hauptprobe am Vortag schmerzt: Muskelzerrung beim Reiten.
Neben der Liebe zum Theater ist es diese uckermärkische Sturheit, die Seidler antreibt, die ihn dazu bringt, Schmerztabletten einzuwerfen, um trotz Verletzung reiten und fechten zu können. Sie hilft ihm, den Regen nach Kräften zu ignorieren, sie lässt ihn die Nachricht, ein Nebendarsteller habe wegen Brechdurchfalls kurz vor der Premiere abgesagt, mit einem Schulterzucken quittieren.
So bringt er seine Generalprobe trotz des Wetters sauber über die Bühne: Eine verschlungene Geschichte um fliehende Tempelritter, finstere Inquisitoren und den strahlenden Helden Robin Hood, den der Drehbuchautor Seidler als wendig-wieseligen Anarchisten anlegt. Als der Schauspieler Seidler schließlich die Bühne betritt – diesmal ersetzt er einen Tempelritter – wird klar, warum es letztlich egal ist, ob er wirklich so widerwillig einspringen muss oder ob das Abenteurer-Herz in ihm nicht doch einen Freudensprung macht, wenn ein Kollege ausfällt. Allein seine Präsenz auf der Bühne macht aus der soliden Mantel- und Degengeschichte ein Erlebnis: Was für eine Stimme, was für ein Charisma, welche Verve! Es ist ein klein wenig, als würde über Boitzenburg die Sonne aufgehen, trotz Regens. Wo die anderen nur spielen, verkörpert Seidler; wo sie deklamieren, lebt er seinen Text – mit jener Stimme, die unter anderem in Musicals am Ost-Berliner Metropoltheater geformt und beim Synchronsprechen für die Defa verfeinert wurde. Als Seidler neben Gojko Mitic durch die Mongolei galoppierte und in der Seeluft von Ralswiek zum Angriff rief, kam der entscheidende Hauch Rauheit hinzu.
Wegen dieser Präsenz sind es, trotz 26 Leuten auf der Bühne und einigen weiteren an der Technik, letztlich doch Seidler-Festspiele, die Aufführungen im Naturtheater Boitzenburg. Mit dem wettergegerbten Uckermärker, unter dessen Kettenhemd sich ein kleiner Bauch wölbt, steht und fällt das Theater, und Seidler weiß das: Er bindet seine 25-jährige Tochter als Regieassistentin und den 16-jährigen Sohn als Schauspieler ein. So lange er lebe, wolle er aber weiter in Boitzenburg Theater spielen, sagt er. Da mittlerweile nicht nur die Touristen, sondern auch immer mehr Uckermärker ins professionell ausgestattete Naturtheater kommen, könnte diese Rechnung aufgehen. Nur den Regen, den muss Seidler künftig ins Drehbuch einbeziehen. Und ihn bei den Auftritten weiterhin stur ignorieren.

Erschienen am 18.07.2008

Schippern für Flugsäuger

Spandaus Artenschützer und das Bezirksamt sorgen mit Kreativität für satte Fledermäuse

Spandaus Fledermäuse lebten bislang von Eintrittsgeldern. Als die weggefielen, drohte Hunger. Doch findige Menschen hatten eine Idee: Jetzt leben die Fledermäuse von geführten Bootstouren.

Als der Katamaran zuviel Schlagseite bekommt, begann Gerhard Hanke, öffentlich an seinem Diäterfolg zu zweifeln. Er sitzt von seinem Mitarbeiter begleitet auf der linken Seite, ihm gegenüber sitzen sechs Journalisten. Genau genommen hängen sie in der Luft, denn der Katamaran kippt bedrohlich in Richtung Bezirksstadtrat – auch wenn schnell versichert wird, das Boot sei unsinkbar. Wären die Fotografen nicht an Bord, sie könnten vom Kai aus ein sehr unvorteilhaftes Bild schießen. Doch Spandaus Bildungs- und Kulturstadtrat ist schlagfertig: Es handle sich um sein politisches Gewicht, das für die Einseitigkeit an Bord sorge. Einseitigkeit? Die Pressevertreter dürfen sich was denken.
So munter geht es zu an diesem sonnigen Junimorgen, ein gut gelaunter Stadtrat trifft gut gelaunte Journalisten, die sich eine Stunde lang durch die Sonne schippern lassen, an Bord eines Katamarans, mit dem ab sofort die Kanäle rund um die Spandauer Zitadelle erkundet werden dürfen. Gekauft hat das 12 000 Euro teure Gefährt das Bezirksamt, nutzen dürfen es die Herren vom Berliner Artenschutz-Team (BAT), das in der Zitadelle eine Fledermausstation betreibt.
Es handelt sich quasi um eine Kompensationsleistung: Früher, als die Zitadelle noch ohne Eintritt besucht werden konnte, namen die Artenschützer einen kleinen Obolus am Eingang des Fledermaushauses, damit sie davon Futter für die Tiere kaufen können. Seit kurzem kostet die Zitadelle jedoch Eintritt, und innerhalb der Festung will niemand ein zweites Mal bezahlen. Irgendwo musste aber Geld herkommen, wenn die geflügelten Säuger nicht hungern sollen. Also setzten sich BAT und Bezirksamt an einen Tisch, und so wurde die Idee des Katamarans geboren.
Für geführte Touren entlang der Gräben der mächtigen Zitadelle dürfen die Artenschutz-Freunde nämlich eine geringe Gebühr nehmen, und auch wenn das nicht die Kosten deckt oder die Höhe der Eintrittsgelder erreicht, ist zumindest der Futterstrom für die Fledermäuse vorerst wieder gesichert. 3,50 Euro kostet die zirka 45-minütige Rundfahrt für Erwachsene, ermäßigt werden zwei Euro fällig. Der Katamaran fährt in der Saison (März bis Oktober) samstags immer um 12.30, 13.30, 14.30 und 15.30 Uhr; sonntags dann um 11.30, 12.30, 13.30, 15 und 16 Uhr, in der Woche nach Anmeldung. Jörg Harder vom Berliner Artenschutz-Team kündigte zudem Nachtfahrten an, um die Fledermäuse über dem Wasser beim Jagen zu beobachten. Dazu werden sie mit einem speziellen Rotlicht angestrahlt, dass die Tiere nicht irritiert, aber den Mitfahrern Gelegenheit gibt, die Mini-Vampire bei der Futterbeschaffung zu beobachten. Vermutlich sechs Euro wird die Teilnahme kosten, der 13 Personen fassende Katamaran kann aber auch für Feiern oder Betriebsausflüge gebucht werden. Das alles soll dem Verein zugute kommen, auch Werbung an den Außenseiten ist geplant.
Ein fast unhörbarer Elektromotor treibt das zwei Meter breite Gefährt an, das wie ein umzäuntes Floß auf dem Wasser liegt. Damit kommt der Kapitän sogar durch die engen Stellen im Festungsgraben, ein Tiefgang von nur 40 Zentimeter sorgt dafür, dass das Boot jede Untiefe im zwischen drei Meter und 50 Zentimeter tiefen Graben sicher übergleitet.
Durch geschicktes Umsetzen ist Gerhard Haukes politisches Gewicht mittlerweile neutralisiert, und Jörg Harder steuert sicher durch den Graben auf das Ravelin „Schweinekopf“ zu. Dieser Vorposten der Festung vor dem Graben soll zum Naturlehrpfad umgebaut werden, Bezirksstadtrat Hanke erwägt auch, hier ein offenes Klassenzimmer für die Spandauer Schulen einzurichten. Am Festungstor ist kein Durchlass: Es ist dauerhaft heruntergelassen, und zöge man es hoch, so versperrte weiterhin ein Abwasserrohr den Weg. Der Kamataran muss kehrt machen und fährt die Zitadelle, deren beeindruckende Dimensionen vom Wasser aus erst richtig deutlich werden, von der anderen Seite an.
Jörg Harder jedenfalls ist sichtlich zufrieden: Die Festungsgrabenrundfahrt zum Fledermauslehrpfad ist ganz in seinem Sinne, vereint sie doch touristische Nutzung mit Naturerlebnis und einem tieferen Verständnis für seine zeitweise 10 000 geflügelten Schützlinge, während die Schippergebühr dem Futterhaushalt zugute kommt. Bei soviel Freude nimmt er es auch gern in Kauf, dass beim Unterzeichnen der Nutzungserklärung zwischen dem Bootsinhaber Bezirksamt und dem Nutzer BAT der Kugelschreiber mehrfach vom Tisch rollt: Das politische Gewicht Gerhard Hankes hat trotzdem Nutzen gebracht..

Erschienen am 15.07.2008

Händler, Tiere, Ackerbürger

Freizeit: Hunderte strömten trotz mäßigen Wetters in die Nauener Altstadt – sehr viele sogar kostümiert

Sie haben kein Glück in diesem Jahr, die Nauener bei ihren großen Festen: War schon das Altstadtfest im Mai von dicken Wolken überschattet, so galt es beim Ackerbürgerfest, mit Schauern und kaltem Wind zu leben.

NAUEN Es gibt erhebendere Momente im Leben eines Zwölfjährigen: Max steht am „Hau-den-Lukas“, er legt alle seine Kraft in den Hammer, es ist der zweite Schlag, er beißt auf die Unterlippe, presst die Augen zu Schlitzen zusammen, lässt den Hammer krachen, doch nein: Der Zeiger geht nicht über die erste von fünf Stufen hinaus: „Bettnässer“ steht da, und das ist nicht erhebend, wenn man zwölf ist und die Mädels im Halbkreis drumherum stehen. „Stell dir vor, es wäre dein Lehrer“, sagt der Schausteller, und ja, doch, im dritten Versuch kratzt der Zeiger doch fast an der zweiten Kategorie „Flitzpiepe“. Dann sagt der freundliche Herr auch noch „Ich zeig dir das mal“, nimmt den Hammer wie ein Spielzeug über die Schulter, am Oberarm bauen sich Muskelpakete auf, es kracht, der Zeiger schießt durch bis „Yippie Yeah Schweinebacke“, schlägt die Glocke, der Mann patscht Max auf den Kopf und sagt: „Ist doch gar nicht so schwer.“ Sowas können nur Erwachsene sagen. Sie können grausam sein, selbst wenn sie es gut meinen.

Es ist voll beim 4. Nauener Ackerbürgerfest, der Martin-Luther-Platz quillt über vor Menschen, zeitweise geht es nur im Schritttempo voran, und das, obwohl das Wetter den Nauenern schon wieder nicht wohlgesinnt ist: Gelegentliche Schauer und kräftige Windböen fahren in die Menge, doch niemand lässt sich vertreiben.

Vielleicht liegt das auch an der Mühe, die sich viele Besucher gegeben haben: Wer so lange an seinem Kostüm geschneidert hat, will es nun auch zeigen. Zeitweise flaniert fast die Hälfte der Gäste im historischen Gewand über den Luther-Platz. Bei den Nauener Heimatfreunden steht eine elegante Dame mit Schirm und versucht sich im Hobelhalten: Mit ausgestreckten Armen muss der Langhobel so lange wie möglich in die Luft gehoben werden – es gelingt ihr fast anderthalb Minuten lang. Ein Zuschauer kommentiert „Die hat Übung mit der Pfanne!“. Niemand lacht. Ihr Begleiter – Frack, Kordhose, gewienerte Stiefel – versucht es ebenfalls, muss aber nach knapp einer Minute aufgeben.

Hinter der Kirche schlummern zwei Kälbchen um die Wette, während ihre Bäuerin die Plagen und Freuden der Milchviehwirtschaft schildert und berichtet, dass eine Kuh 90 Liter Wasser und 40 Kilogramm Futter pro Tag braucht, um 30 Liter Milch zu geben.

Überhaupt, die Tiere: Zwei Stände weiter hat sich ein Frettchen eingekringelt und schläft so selig, dass selbst die Stupser der Kinder durchs Gitter es nicht aus seinen Träumen reißen. In einer Seitengasse zeigt sich die Alpaka-Familie von Joachim Kuntzagk von ihrer besten Seite: Olivia und Caral stehen in unverhohlenem Elternstolz um ihren zwei Monate alten Nachwuchs Otello, der das Besucherinteresse mutig aushält und sich sogar mal ein, zwei Schritte von Muttis Seite löst.

Zwischendrin bindet immer wieder das Bühnenprogramm die allgemeine Aufmerksamkeit: Kinder der Tanzschule Amanda versuchen sich im Schwanensee, der Sportverein bringt eine Modenschau auf die Bühne, und um 18 Uhr ist das Theaterstück des „Stadtgeflüster e.V.“ ein Höhepunkt des Programms.

Doch auch mitten im Trubel ist’s unterhaltsam: Jongleure und Fakire mischen sich unters Volk, wer mag, kann sich im Bogenschießen üben, es gibt Getränke und Naturprodukte, die Kinder reiten auf Eseln, die Männer versuchen sich im Erbsenschlagen, es riecht nach Grillwurst, nassem Hund und Eselhäufchen, doch das gehört zum mittelalterlichen Flair.

Auf dem Rückweg versucht es Max noch einmal – er hat sich Tipps geben lassen. Er kommt bis „SoapStar“, Stufe drei. Immerhin.

Erschienen am 30.06.2008

Eine noch unentdeckte Welt

Einladung: Madagaskar hofft auf deutsche Besucher: Auf der Insel und in der Botschaft

Die Falkenseer sind stolz auf „ihre“ madagassische Botschaft. An diesem Wochenende dürfen sie einen Blick hinter die Mauern werfen. Anlässe dafür gibt es viele.

FALKENSEE Die Frage kam ganz beiläufig: „Mensch, Werner, du warst schon mal auf Madagaskar?“ Werner schaut irritiert auf seinen Begleiter, der vor einer Infotafel zur Tierwelt der Insel steht. „Nee, wieso?“ „Na da ist doch ein Foto von dir!“ Der Mann tippt auf die wenig schmeichelhafte Aufnahme eines Feuchtnasenaffen, der mit seinen großen Lemurenaugen etwas verschreckt in die Kamera blinzelt. Der Humor dieses Späßchens erschließt sich Werner nicht, und nein, Werner war wirklich noch nicht auf Madagaskar. Das ist nicht nur schade für ihn, sondern auch schade für die Insel, deren paradiesische Landschaft bislang nur von wenigen Touristen besichtigt wurde. Dem abzuhelfen, hat die madegassische Botschaft in Falkensee gestern und heute ihre Türen weit geöffnet. Das Land kann Touristen gut gebrauchen: es ist noch immer bitterarm, es zählt zu den zehn ärmsten Ländern der Erde. Gerade die Deutschen mit ihrer Naturliebe wären da hochwillkommen, sagt Fidy Raharimanana von der Entwicklungsgesellschaft Harson, der an diesen Tagen die Besucherfragen beantwortet. Die viertgrößte Insel der Welt hat auf 600 000 Quadratkilometern vom zentralen Hochplateau über 1600 Kilometer Küstenlinie, Reste tropischer Regenwälder, dicht besiedelte Städte und feuchte wie trockene Savannen einen immensen Landschaftsreichtum zu bieten.

Den Massentourismus suchen die Madagassen trotzdem nicht, denn das sensible Ökosystem – wegen der frühen Abspaltung von Afrika und Indien hat Madagaskar als Mikrokontinent eine eigene und weltweit einzige Flora und Fauna ausgebildet – würde das nur schwer verkraften. Der aus der Armut geborene Umweltfrevel hat schon jetzt den Bestand tropischer Regenwälder auf vier Prozent der ursprünglichen Fläche schrumpfen lassen, viele einzigartige Tier- und Pflanzenarten sind ausgestorben. Nicht nur wegen der Umwelt- und Naturschutzkompetenz sucht Präsident Marc Ravalomanana einen engen Kontakt zu Deutschland, wie Fidy Raharimanana betont: Die Verbindung beider Länder hat auch eine lange Tradition. Vor 125 Jahren schlossen Kaiser Wilhelm I. und die madagassische Königin einen Freundschaftsvertrag, dessen Jubiläum am Donnerstag gefeiert wurde, zusammen mit dem Tag des Endes der französischen Kolonialherrschaft vor 48 Jahren. Genug Gründe also zum Feiern und um die Tore zu öffnen. Der Besucherstrom gestern war schwach, aber stetig. „Wir haben auch nicht damit gerechnet, überrannt zu werden“, sagt Fidy Raharimanana mit einem Augenzwinkern, war aber ob des kontinuierlichen Kommens und Gehens der Falkenseer sehr zufrieden. Die meisten Besucher kamen zu Fuß aus der Nachbarschaft und wollten die Gelegenheit nutzen, mal hinter die Mauern und den hohen Eisenzaun zu blicken. Beim Geruch der Vanilleschoten (Madaskar ist der weltweit größte Produzent), des Kaffees und der Schokolade und beim Schwärmen über die Schönheit der Natur bekamen nicht wenige Lust, den „achten Kontinent“ zu besuchen. Es ist daher nicht ausgeschlossen, dass auch Werner wirklich noch nach Madagasgar kommt – Feuchtnasenaffen hin oder her.

Erschienen am 28.06.2008

Der andere Wochenrückblick III

Angefangen haben die Abiturienten: Sie lassen seit zehn, zwölf Jahren ihre Freude über die erreichte Hochschulreife in neonfarbene Buchstaben gerinnen und fahren Botschaften wie „Abi 1997“ auf ihren Autos durch die Gegend. Wie jede erfolgreiche Idee, zeitigte auch diese Nachahmer: Autos sind inzwischen ein Ausdrucksmittel, nicht nur als Statussymbol oder Fahnenmast zu EM-Zeiten. In den USA etwa fährt man seine Parteienpräferenz als Aufkleber auf der Stoßstange spazieren. Hierzulande werden auch andere Erfolge auf dem Blech oder der Scheibe notiert: „Papi 2002“ ist da zu lesen oder „Opi 2004“. Dass in dieser Woche in Falkensee gleich zwei Fahrzeuge gesichtet wurden, die die Welt von „Scheidung 2007“ und „Trennung 2008“ unterrichteten, hebt die Expressivität der Karosserie jedoch auf eine neue Ebene. Was zunächst wirkt, als wolle man dem Hintermann ungefragt einen Blick in die Privatsphäre aufzwingen, erweist sich bei genauerem Nachdenken jedoch als sinnvoll: Schließlich teilt der Fahrer mit, dass er jetzt wieder am Verkehr teilnimmt.

Wortlos verstehen

Soziales: Wege aus der akustischen Isolation / In Falkensee belegen Hörende einen Gebärdenkurs

Sie hören gut. Sie können auch sprechen. Dennoch erlernen jetzt in Falkensee 14 Männer und Frauen die Gebärdensprache, mit der sich Taube und Stumme verständigen.

FALKENSEE Es wird geschnattert an diesem Nachmittag, dass es eine wahre Freude ist. Mehr als ein Dutzend Leute unterhalten sich paarweise: Sie verabreden sich zum Kino, zum Schwimmen, zum Grillen. Trotzdem fällt kein einziger Ton im Raum. Es ist so still, dass der Lärm Fußball spielender Kinder, der durchs angeklappte Fenster fällt, deutlich hörbar wird. Denn die, die sich hier verabreden, tun das mit Gesten statt mit Worten:

Die 14 Teilnehmer eines Gebärdensprachkurses sind an diesem Nachmittag ins ASB-Kulturhaus Falkensee gekommen. Keiner von ihnen wäre auf die Handzeichen und das stumme, überdeutliche Worteformen mit den Lippen angewiesen, denn alle können hören und sprechen – bis auf den Kursleiter. Doch sie zahlen dafür, in zehn Sitzungen die Grundlagen der Gebärdensprache von Thomas Zander zu erlernen.

Die Motive sind unterschiedlich: Da ist ein Ehepaar – sie lebenslustig und laut, er verhalten und manchmal etwas irritiert: Das Hörvermögen des Mannes lässt stetig nach. Sollte er ertauben, soll die Kommunikation in der Familie weitergehen. „Da ist es leichter, ich lerne die Gesten, solange ich noch hören kann“, sagt der Mann.

Eileen ist gekommen, weil sie eine Ausbildung zur Heilpädagogin macht und möglicherweise mit Tauben oder Taubstummen arbeiten wird. Einige nehmen aus purem Interesse teil, eine Frau will einfach nur „eine ungewöhnliche neue Sprache lernen“, eine andere hat ein gehörloses Kind, mit dem sie sich besser verständigen möchte.

Tina ist hochgradig schwerhörig und zugleich Physiotherapeutin: Sie will sich selbst gegen das Schlimmste wappnen und zugleich auf taube oder schwerhörige Patienten besser eingehen können.

Und dann ist da Carola Szymanowicz, engagierte Streiterin für die Belange aller Schwerhörigen im Havelland, Leiterin der Selbsthilfegruppe „Kommunikation ohne Barrieren“, selbst fast ohne Gehör. Carola Szymanowicz beherrscht die hohe Kunst, Leid in Aktivität zu wandeln: Sie hat diesen ersten Kurs in Gebärdensprache für Hörende angeregt, beim ASB kostenlos einen Raum dafür bekommen, Teilnehmer aufgetrieben, den Dozenten engagiert, die Selbsthilfegruppe gegründet. Und sie plant weiter: einen Gebärdenklatsch, ein Sommerfest, einen Grillabend und eine Anlaufstelle für Gehörlose im Kreis. „Wir müssen Gehörlose aus der Isolation herausholen, der Machtlosigkeit entkommen“, sagt sie, „denn die zwischenmenschlichen Beziehungen gehen sonst verloren.“

Das ist schwer vorstellbar an diesem Nachmittag, wo sich alle ohne gesprochene Worte blendend verstehen, Spaß haben, lachen, Verabredungen treffen. Aber genau das ist es, was Carola Szymanowicz meint: Man braucht keine Rede, um eingebunden zu sein, Gebärden genügen. Nur ohne Kommunikation droht die Vereinzelung.

Dass es so munter zugeht im Kurs ist vor allem Thomas Zander zu verdanken. Der selbstständige Gebärdensprachdozent ist zugleich Geschäftsführer der Berliner Gebärdensprachschule „Visual Hands“ und seit 17 Jahren als Dozent unterwegs. Im Nebenjob arbeitet er als Pantomime-Clown – eine Aufgabe, die er von der des Sprachlehrers kaum trennen muss: Egal, was Zander tut, er tut es unglaublich beredt, spricht mit jeder Geste und mit jedem Zucken seines Gesichts, Humor kommt nie zu kurz.

In dieser Woche steht das Thema „Verabreden“ auf dem Stundenplan. Lektion 1: Die zeitliche Dimension. Zukunft sind Gesten, die vom Sprecher nach vorn wegweisen, Vergangenheit weist nach hinten. Zander muss nicht viel erklären: Das Prinzip verstehen alle sofort. Gegenwart zeigt nach unten: Hier stehe ich. Jetzt! Wochentage haben definierte Zeichen, die es zu lernen gilt. Uhrzeiten werden mit Fingern gezeigt, die nach vorn gekippte Hand bedeutet nachmittags, die nach hinten gekippte: vormittags.

Lektion 2: Der Ort. Gebäude werden mit zwei Händen als Dach geformt, andere Orte langsam ausgesprochen, schlimmstenfalls buchstabiert. Orte sind eben abstrakt.

Leichter wird es in Lektion 3: Was tun wir? Schwimmen, Grillen, Wandern lässt sich gut gestikulieren, Kino durch eine angedeutete Leinwand auch noch. Spätestens beim Einigen auf einen Filmtitel muss dann aber doch zum Buchstabieren übergegangen werden. „Keinohrhasen“ lässt sich zwar mit zugehaltenen Ohren und mümmelndem Mund verdeutlichen, aber das ist eher ein guter Gag für die Runde als eine pragmatische Lösung.

So verstreicht der Kurs im Nu, und nach einem enthusiastischen Winken ist Thomas Zander verschwunden. Nun wieder ihre Münder benutzend, verlässt die Gruppe fröhlich schnatternd den Raum. Carola Szymanowicz ist es zufrieden. Sie ist ihrem großen Ziel an diesem Tag etwas näher gekommen: Gehörlose in die Gesellschaft zu inkludieren, statt sie nur zu integrieren. Inklusion heißt für sie: keinen Unterschied machen. „Bei Integration entscheiden andere über uns. Das haben wir satt“, sagt sie.

Der andere Wochenrückblick II

Der Einzelhandel stellt sich bereits auf die Kommunalwahlen ein: Seit einigen Tagen führt ein Falkenseer Supermarkt lutschbare Verletzungen. Doch, ja, richtig gelesen: Es handelt sich um lebensecht nachgebildete kleinteilige Blessuren wie Stich-, Schürf- und Risswunden, die nach einem Schleck mit der Zunge an beliebige Körperstellen appliziert werden können, da der solcherart angefeuchtete Zucker als Klebemittel fungiert. Alsdann soll der glückliche Träger, wie die Verpackung glaubhaft versichert, fröhlich seine Wunden leckend durch die Straßen flanieren und aller Welt beweisen, mit welch glücklichem Antlitz er das wegsteckt. Quasi ein Nach-Wahl-Produkt für Politiker jedweder (Zucker-)Couleur.

Erschienen am 31.05.2008

Mit Sturheit in den Arbeitsdienst

Justiz: Zeugen tödlicher Messerstecherei wegen unterlassener Hilfe vor Gericht

Weil sie einem Mann nicht halfen, den ihr Freund mit einem Messer verletzte, standen zwei Nauener gestern vor dem Jugendrichter.

NAUEN Hätte er nur das längst Offensichtliche eingeräumt, hätte er zugestanden, was das Gericht ohnehin wusste, der gestrige Tag hätte für Tino Müller besser enden können. Doch der 20-Jährige blieb stur bei seiner Version: Er hatte nichts gesehen, also konnte er auch nicht helfen.

7. Juli 2006: Deutschland ist im WM-Taumel, und Tino Müller hängt mit seinen Freunden Steffen Blum und Thomas Kroll auf dem Nauener Bahnhofsvorplatz herum. Bis auf Kroll haben sie keinen richtigen Schulabschluss, keinen Job, keine Perspektive, dafür ein dickes Vorstrafenregister. Sie trinken. Gegen 22 Uhr kommen vier junge Menschen von einer Betriebsfeier vorbei. Deren Fröhlichkeit muss für das resignierte, angetrunkene Trio zuviel gewesen sein: Sie pöbeln den zwei Frauen und zwei Männern in den Bahnhof hinterher, werfen Bierflaschen nach ihnen.

Steffen Blum steigt in den Fahrstuhl und fährt auf den Bahnsteig, um „die Sache zu klären“, wie Tino Müller berichtet. „Um ihm aufs Maul zu hauen“, präzisiert der Richter. Müller nickt. Er und Kroll folgen über die Treppen. Oben ist Blum bereits in eine Rangelei mit einem der Männer verwickelt: Man schubst und beschimpft sich. Mehr wollen Kroll und Müller nicht mitbekommen haben. Sie seien zum 40 Meter entfernten Ende des Bahnsteigs gegangen, um dort „ein Plakat zu lesen“. Währenddessen verletzt Steffen Blum sein Opfer mit drei Messerstichen schwer. Der Notarzt kann nur noch den Tod des Mannes feststellen.

Erst da habe er von der Eskalation Notiz genommen, behauptet Tino Müller vor Gericht. Es ist dieselbe Version, die er schon bei der Verhandlung gegen den Täter vortrug, der zu neun Jahren Jugendhaft verurteilt wurde. Der Staatsanwalt hält das für eine dreiste Lüge und hat Tino Müller und Thomas Kroll deshalb wegen unterlassener Hilfeleistung und uneidlicher Falschaussage angeklagt.

Fünf Zeugen stehen bereit, um auszusagen, dass die beiden Angeklagten nur drei, vier Meter entfernt standen. Doch Tino Müller ist entschlossen, nichts zuzugeben. Egal, wie bohrend Richter Martin Paßmann nachfragt, der stiernackige Angeklagte sitzt mit hochrotem Kopf da und bleibt einsilbig. Selbst sein Verteidiger ist machtlos. Mehrfach lässt er unterbrechen, um ihm ins Gewissen zu reden. Ohne Erfolg. Irgendwann hebt der Jurist die Arme entschuldigend Richtung Richtertisch: „Ich hab’s versucht!“ soll das heißen.

Nur Thomas Kroll beweist, dass er aus dem Trio der Klügste ist: Er gibt zu, das Messer in der Hand von Steffen Blum gesehen zu haben und darf unter der Auflage, 450 Euro Geldbuße zu leisten, nach Hause gehen. Tino Müller muss warten. Warten, bis sein schon sieben Eintragungen umfassender Erziehungsregisterauszug mit Diebstahl, Sachbeschädigung, Misshandlung, Körperverletzung und Strafvereitelung verlesen wird. Warten, bis die Jugendgerichtshilfe erklärt hat, dass er aus behüteten Verhältnissen stammt. Man einigt sich darauf, Jugendstrafrecht anzuwenden, wegen eklatanter Entwicklungsdefizite. Sein Verteidiger nennt ihn „einfach strukturiert“, die Jugendgerichtshilfe erwähnt zweimaliges Sitzenbleiben, den Abbruch der Lehrstelle und Desinteresse. Selbst der Staatsanwalt bittet Tino Müller, wenigstens dieses eine Mal nicht dumm zu sein. Vergeblich. Richter Paßmann verhängt daher 80 gemeinnützige Arbeitsstunden. „Rennen sie nicht aus purer Dämlichkeit in die nächsten Verfahren“, gibt er Müller noch mit auf den Weg. Zwei weitere laufen allerdings schon.

(alle Namen geändert)

Erschienen am 27.05.2008


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